Mit den Augen
eines Vaters

1. Teil

...auch Männer haben eine Seele...

von Gustav Ernst



Vorwort

Dies ist der erste Teil einer langen Geschichte. Sie handelt von einem Vater, der trotz aller Widrigkeiten für das Wohlergehen und die Zukunft seiner Tochter kämpft. Es ist eine Geschichte, deren Ausgang, während sie geschrieben wird, noch offen ist.

Die Geschichte erzählt von einem Vater und seiner Tochter deren Umgang miteinander über Jahre hinweg von einer nur am eigenen Wohl interessierten Mutter immer wieder vereitelt wird.
Sie beschreibt zwischenmenschliche Verhältnisse, die so oder ähnlich in unserer heutigen Gesellschaft immer häufiger die Regel als die Ausnahme sind.
Sie zeigt auf die fast immer zu Gunsten der Mütter bestehende Schieflage in der deutschen Rechtsprechung.
Sie offenbart wie manch Allein erziehende ihre Kinder als Geisel missbrauchen, um mehr finanzielle Leistungen aus öffentlichen Mitteln zu erhalten und so ihre Vorstellungen von einem Leben ohne Arbeit verwirklichen.
Sie beleuchtet Vorurteile und hinterfragt Klischees, ohne neue schaffen zu wollen.
Sie soll denen eine Mahnung sein, die ihre Kinder als Druckmittel gegenüber anderen Familienangehörigen einsetzen.
Sie soll Vätern und Müttern in ähnlichen Situationen Hilfestellung bieten, um rechtzeitig Fehler zu erkennen und entsprechend zu reagieren, bevor es für die Kinder zu spät ist.
Und sie soll denen, die sich mit ihrem Schicksal bereits abgefunden haben neuen Mut geben. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und dafür lohnt es sich immer zu kämpfen.

Diese Buchserie strebt nicht nach stilistischer Perfektion. Die Geschichte wurde von einem Vater so niedergeschrieben wie er sie selbst erlebt hat. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte - insbesondere des Kindes - sind alle Namen von Orten und Personen einschließlich des Autors geändert. Zeitangaben wurden beibehalten. Informationen, die von Dritten zur Verfügung gestellt wurden, sind so formuliert, dass ihr Ursprung nicht zu erkennen ist.

Diese Buchserie widme ich meiner Tochter und allen anderen Kindern dieser Welt, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden.


Einleitung

Normalerweise bin ich ein eher lustiger Mensch, der für (fast) jede verrückte Idee zu haben ist und sich auch durch (fast) nichts so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Eine Beziehung ist jedoch etwas, was ich immer sehr ernst genommen habe. Heute hier, morgen da, mehrere Beziehungen gleichzeitig oder ähnliche Spielchen gehören normalerweise nicht zu meinem Repertoire. Meine Bewunderung gilt jenen, die sich als Teenager gefunden, als Twen geheiratet und ihr ganzes Leben zusammen bleiben. Bei mir hat das leider nicht funktioniert. Ich denke auch, dass wenn man sich wirklich ernsthaft an jemand bindet und es schief geht, dass dann, zumindest für eine sehr lange Zeit, nichts mehr so ist, wie es einmal war. Immer wieder passieren Dinge, die an längst Vergangenes erinnern. Nicht selten ist man versucht, etwas davon festhalten zu wollen. Und manchmal passieren dabei Dinge mit weitreichenden Folgen.1997 begann eine Kette von Ereignissen, die wie noch nichts anderes davor mein Leben verändert haben.

Wie alles begann

Die Geschichte beginnt im Frühsommer 1997. Ich war damals 34 Jahre alt. Erst wenige Monate zuvor war eine über neun Jahre dauernde Beziehung zu Ende gegangen. Eine Beziehung die als Traum begann und für immer sein sollte. Inzwischen hatte ich neue Freunde gefunden und war einem Freizeitverein, der sich mit Autos beschäftigt, beigetreten. Ich hatte meinen Lebensweg neu ausgerichtet, dennoch befand ich mich noch immer an einem tiefen Punkt in meinem Leben.

An einem Samstagabend war eine Grillparty im Grünen angesagt. Im Vorfeld war durchgesickert, dass einer meiner neuen Bekannten namens Hugo, möglicherweise eine Bekannte mitbringen wollte, die auch gerade Single war. Nun ja, ich habe ihn zwar nicht darum gebeten, aber dagegen hatte ich eigentlich auch nichts. Ein paar neue Gesichter auf einer Party sind ja nicht verkehrt. Irgendwann kam er dann, der Hugo, mit seiner Frau Raphaela. Bereits zwischen den Bäumen durch konnte ich erkennen, dass noch eine weitere Person dabei war, Jane. Das was ich sah, hat mir auf den ersten Blick gefallen. Kein gestyltes Schaufensterpüppchen in Stöckelschuhen, sondern eine natürliche Sie in Turnschuhen.

Die Party kam in Gang, man grillte, trank etwas, unterhielt sich und verzapfte Blödsinn. Zeitweilig waren ca. 20 Leute anwesend. Zu fortgeschrittener Stunde saß ich irgendwann einmal vor dem Fernseher und Jane daneben, sonst war niemand dabei. Das TV-Programm interessierte weniger, stattdessen unterhielten wir uns. Während des Gesprächs stellte sich heraus, dass sie überhaupt nicht die Bekannte war, die Hugo möglicherweise mitbringen wollte. Sie war eine Verwandte, die sich zu einem Wochenendbesuch bei Hugos Eltern aufhielt. Als sie etwas von Party hörte war sie einfach mitgefahren. Ich hatte sie auf Mitte zwanzig geschätzt, im Gespräch erfuhr ich, dass sie erst siebzehn Jahre alt war. Jeder vernünftig denkende und handelnde Mensch hätte jetzt sofort die Notbremse gezogen, ich normalerweise auch. Warum ich es nicht getan habe, weiß ich bis heute nicht.

In meiner vorherigen Beziehung basierten viele Probleme auf einem Altersunterschied von ca. acht Jahren. Ich hatte mir damals vorgenommen, dass wenn ich mich noch einmal auf eine Beziehung einlasse, dann nur mit jemand, der etwa gleich alt oder älter ist. Ich wollte nicht dasselbe noch einmal erleben oder die gleichen Diskussionen, die so selten etwas gebracht hatten, noch einmal führen. Andererseits fand ich mich in einer Situation wieder, wie ich sie Jahre zuvor schon einmal ähnlich erlebt hatte. Es war einer jener Augenblicke, den man einfach nur festhalten will, ohne darüber nachzudenken.

Die Party ging weiter, ich machte mit Jane einen Spaziergang durch die vom Vollmond erleuchtete Nacht. Später saßen wir zusammen in einer Wiese. Wir unterhielten uns über den Himmel, die Erde und die Dinge dazwischen. Irgendwann habe ich sie angeschaut und zu ihr gesagt: "Wenn ich jetzt zehn Jahre jünger wäre, würde ich vielleicht etwas tun." Sie sah mich an und sagte: "Tu es doch einfach." Der erste Kuss...

Als wir zu der Party zurückkamen, waren einige Gäste bereits gegangen. Als Hugo und Raphaela auch gehen wollten, waren Jane und ich uns einig, wir wollten hier übernachten. Geschlafen habe ich in dieser Nacht wenig. Ich hielt sie einfach im Arm und wir unterhielten uns lange. Es war schon eine eigenartige Situation. Eigentlich sehnte ich mich nach etwas, was schon lange vorbei war. Andererseits war ich froh, dass es vorbei war, die letzten Monate waren alles andere als angenehm. Vieles war schiefgelaufen, weil ich mich mehr von Gefühlen als von meinem Verstand leiten ließ. Alles sollte in Zukunft anders werden. Und jetzt saß ich hier und hielt jemanden in meinen Armen, der gerade halb so alt war als ich. Hätte mir einen Tag davor jemand eine solche Geschichte erzählt, wäre ich felsenfest davon überzeugt gewesen, dass mir so etwas nie passieren könnte.

Am nächsten Morgen wachte ich vor ihr auf. Es war so eine Situation, wo man sich im Geist neben sich stehen sieht und sich fragt: "Was tust du denn da eigentlich?" Der Verstand sagt nein, aber das Gefühl sagt ja. Sie war schon etwas besonders für mich in diesem Moment. Zu lange schon hatte ich mich einfach nur danach gesehnt, abends mit einem lieben Menschen im Arm einzuschlafen und morgens wieder aufzuwachen. Eigentlich alles wunderbar, wäre da nicht der Altersunterschied gewesen.

Nach dem Aufstehen fuhren wir zum Frühstücken zu meiner Wohnung gefahren. Auch die morgendliche Körperpflege gestaltete sich da etwas komfortabler. Danach ging's zurück ins Grüne. Einige vom "harten Kern" wollten zum Mittagessen wiederkommen. Auch Hugo und Raphaela kamen wieder. Dieses Mal brachten sie ihren zweijährigen Sohn Elvis mit. Jane redete mich jetzt nur noch mit "Schatz" an und tief in mir drin kämpfte Gefühl gegen Verstand. Irgendwie eine ungewohnte Situation. In Verbindung mit meinem manchmal recht eigenen Humor, äußerte sich das so, dass ich immer wiederholt habe: "Ich bin's nicht." , "Ich bin nicht der, den ihr da seht, ich bin ein Doppelgänger." Aber da muss man durch, das nimmt einem keiner ab. Es war wohl gerade der Verstand oben, als ich ihr beim Abschied sagte, dass das mit uns nicht funktionieren könne. Sie wiederholte immer wieder, dass wir das nicht wissen können, solange wir es nicht versuchen. Sie sähe in dem Altersunterschied kein Problem. Wir tauschten Adresse und Telefonnummer aus und verblieben mit: "Schaun wir mal."

Zweiter Akt

Montag, der Alltag kehrte zurück. Das Wochenende war vorüber, aber vergessen war es nicht. Als ich von der Arbeit nach Hause kam fand ich eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter, natürlich von Jane. Sie sagte, ich sei ihr Traummann, der Mann mit dem sie zusammen sein und von dem sie einmal ihre Kinder haben wolle. Der Altersunterschied wäre ihr egal. Mein erster Gedanke: Was hab ich denn da angerichtet, wie bringe ich diesem Menschen jetzt schonend bei, dass das nicht funktionieren kann? Wir telefonierten und verabredeten uns für Mittwoch.

In der Zwischenzeit erhielt ich erste diffuse Informationen, dass Jane mit Vorsicht zu genießen sei. Obwohl erst siebzehn Jahre alt, wäre sie bei Polizei und Jugendamt schon mehrfach negativ aufgefallen. Details konnte oder wollte man mir aber nicht nennen. Damals habe ich das nicht allzu ernst genommen. Mir war wohl aufgefallen, dass es im Allgemeinen nicht üblich ist, mit siebzehn in einer eigenen Wohnung zu leben. Sie erklärte mir, dass sie zu ihren Eltern ein sehr schlechtes Verhältnis habe. Ihre Eltern hätten sie misshandelt. Ihr leiblicher Vater hätte sich nie für sie interessiert. Erst als sie sechzehn war, habe sie ihn ausfindig gemacht und sich nur ein einziges Mal mit ihm getroffen. Außerdem wäre sie als Kind von einem Verwandten vergewaltigt worden. Dies alles hätte dazu geführt, dass das Jugendamt eingeschritten wäre. Zuerst hätte man sie in einem Heim, danach bei Pflegeeltern und zuletzt eben in dieser betreuten Wohnung in Königsleisern untergebracht. Selbstverständlich glaubte ich ihr das alles. Ich hätte sie auch liebend gerne da herausgeholt, aber wie? Ich konnte mir nicht vorstellen, wie eine Beziehung bei diesem Altersunterschied funktionieren sollte. Hatte ich doch über Jahre hinweg erlebt, wie problematisch acht Jahre sein können, hier waren es siebzehn. Gleichgültig war mir Jane zu der Zeit aber auch nicht mehr. Sie hatte mir schon zu viel über sich erzählt, um einfach wegschauen zu können.

Mittwoch, mein Date mit Jane stand an. Ich hatte mir fest vorgenommen, ihr zu erklären, dass ich sie sehr gern habe, sie auch nach Möglichkeit unterstützen will, aber eine Beziehung einfach nicht möglich ist. Ich holte sie an ihrer Wohnung ab und wir gingen zusammen ins Kino. Es lief der Film von und mit Mr. Bean. Danach zeigte sie mir ihre Wohnung. Sie sagte mir, dass sie mich liebt und nur noch mich wolle. Der Altersunterschied sei kein Problem, Gleichaltrige würden sie sowieso nicht interessieren. Den Spruch den ich eigentlich sagen wollte verschob ich erst mal. Wir verabredeten uns für Samstag.

Samstag, wieder hatte ich mir vorgenommen meinen Spruch aufzusagen, doch erst mal kam ich nicht dazu. Sie bat mich sie zu ihren Eltern zu fahren. Sie bräuchte auf irgendeinem Papier die Unterschrift ihrer Mutter. Nun ja, warum nicht, ihre Eltern wohnen ca.15-20 km entfernt und da konnte sie ja schlecht zu Fuß hingehen. Als wir dort ankamen, war jedoch nur ihr Bruder Sören zu Hause. Er sagte uns, dass ihre Eltern Olivia und Janosch bei einem befreundeten Ehepaar zum Essen eingeladen seien. Sie rief dort an und fragte mich ob ich sie denn auch dorthin fahren würde. Da wir schon mal hier waren, wollte ich sie nicht unverrichteter Dinge wieder heimfahren. Die Adresse wusste sie nicht genau, so mussten wir eine Weile suchen. Nachdem sie ihre Unterschrift erhalten hatte, fuhren wir zu ihrer Wohnung zurück. Dieses Mal begleitete ich sie nicht hinein, stattdessen wollte ich endlich meinen Spruch loswerden. Das tat ich dann auch, leicht fiel es mir nicht. Als sie aus meinem Auto stieg und auf ihre Wohnung zuging wäre ich am liebsten hinterhergelaufen. Am liebsten hätte ich sie festgehalten und ihr gesagt, dass alles ein Irrtum wäre. Ich tat es nicht getan und fuhr nach Hause. Wohl war mir dabei nicht. Was musste sie nun denken, dass alle Männer gleich sind? Sie hatte mir sehr persönliche Dinge aus ihrem Leben anvertraut, mir vertraut und auf mich gehofft. Und jetzt lies ich sie stehen, als wäre sie nur ein kurzes Wochenendabenteuer gewesen, aber so Einer bin ich doch gar nicht... Oder etwa doch und ich hab's nur noch nicht gemerkt? Sollte ich jetzt derjenige sein, der diesem glücklosen Menschen den Rest gegeben hat? Hätte es vielleicht doch funktionieren können, wenn ich es nur versucht hätte? Sie war bis zuletzt davon überzeugt und ich gab ihr nicht die Chance es zu beweisen. Viele Fragen und keine Antworten. Wie so oft, Gefühl gegen Verstand.

Das Ganze ließ mir keine Ruhe. Sonntags versuchte ich sie anzurufen. Da sie kein eigenes Telefon besaß war sie nur über eine, im gleichen Haus lebende, Freundin namens Hanna zu erreichen. Dort war jedoch nur der Anrufbeantworter, dem ich dann alles gebeichtet habe. Am Abend rief Jane zurück, wir waren nun beide bereit es miteinander zu versuchen. Eigentlich hatte ich den Kopf noch nicht frei von den neun Jahren davor. Aber ich war bereit, mit Jane eine Beziehung einzugehen.

Die Beziehung

Sie hatte eine Wohnung, ich hatte eine Wohnung. Meine war größer und lag näher an meiner Arbeitsstelle, sie hatte keine Arbeit. Beide Wohnungen lagen ca. 35 km auseinander. Ich besaß ein Auto, sie war auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Nach einer Woche zog sie bei mir ein, behielt jedoch vorerst noch ihre Wohnung in Königsleisern.

Nun begann eine schöne Zeit. Sie hörte mit dem Rauchen, was mir sehr entgegen kam. Wenn ich aufstand um zur Arbeit zu gehen, stand sie mit auf, machte Frühstück und packte mir ein belegtes Brot für die Pause ein. Verlangt hatte ich das nicht von ihr, trotzdem genoss ich es so rundum versorgt zu werden. Wenn ich während der Pause meine Brotbox öffnete, fand ich fast immer noch ein Zettelchen mit einem Herzchen oder einem lieben Spruch. Während ich meiner Arbeit nachging kümmerte sie sich um den Haushalt. Wenn ich abends heimkam stand bereits das Essen auf dem Tisch, eigentlich alles wunderbar.

Es war eine fast perfekte Beziehung. Meinungsverschiedenheiten gab es fast überhaupt nicht und wenn, dann war schnell wieder alles in Ordnung. Auch über mangelnde Leidenschaft hätte ich nicht klagen können, im Gegenteil, zum ersten Mal fühlte ich mich alt. Und das mit 34 Jahren.

Es dauerte nicht lange, da stand sie mit zwei Verlobungsringen vor mir. Sie stellte mir eine Frage, die man nur mit Ja oder Nein beantworten kann. Eigentlich ging mir das alles ein wenig zu schnell, aber Nein sagen wollte ich auch nicht.

Etwas machte mich allerdings stutzig. Jane hatte ihre Eltern immer sehr negativ beschrieben und immer betont, wie schlecht ihr Verhältnis zu ihnen wäre. Trotzdem wollte sie diese mehrmals pro Woche besuchen. Ich hatte zu meinen Eltern kein schlechtes Verhältnis, besuchte sie aber höchstens einmal pro Woche. Dazu kam, dass ihre Eltern auf mich eigentlich keinen negativen Eindruck machten. Ich wusste aber auch von Janes Vergangenheit mit Heim und Pflegeeltern. Irgendetwas passte nicht zusammen.

Auch an eine weitere Begebenheit aus dieser Zeit erinnere ich mich gut. Eines Abends besuchten wir mit ihren Eltern und einigen anderen Verwandten den Jahrmarkt in Königsleisern. Unweit des Festplatzes hatte Jane gewohnt bevor sie bei mir einzog. Irgendwann fiel mir einen weißhaariger, älterer, etwas untersetzter Mann auf. Er machte auf mich den Eindruck eines Bettlers. Mit ausgebreiteten Armen und freudigem Gesichtsausdruck lief er auf Jane zu. Als sie ihn bemerkte wendete sie sich ab und drehte sich zu mir. Als er das sah war er auch schon wieder in der Menge verschwunden. Ich fragte sie, was das denn für Einer gewesen sei. Sie sagte nur: "Vergiss es."

Irgendwann begann ich Fragen zu stellen. Wenn man mit jemand zusammenlebt, muss man seinem Partner doch vertrauen können. Nach meiner Meinung ist eine Beziehung auf Dauer ohne Vertrauen überhaupt nicht möglich. Im Verlauf einiger Wochen erzählte Jane mir nach und nach Dinge aus ihrer Vergangenheit. Geschichten die von Mal zu Mal schlimmer wurden. Sie erzählte, dass sie nicht nur einmal von einem Verwandten vergewaltigt worden wäre. Sie wäre über Jahre hinweg von mehreren Verwandten und deren Bekannten sexuell missbraucht worden. Haupttäter wäre ihr Stiefgroßvater Henry gewesen. Auch Hugos Vater Heinz-Paul hätte sie in seiner Wohnung vergewaltigt als sie einmal bei einem Wochenendbesuch allein mit ihm gewesen wäre. Sie hätte dann irgendwann beim Jugendamt um Hilfe ersucht, daraufhin hätte man sie in dem Heim untergebracht. Dort wären die Zustände jedoch so unerträglich gewesen, dass sie ausgerissen sei. Sie hätte dann einige Zeit ohne Papiere in Frankfurt auf der Straße gelebt und sich ihren Lebensunterhalt durch Prostitution verdient. Während dieser Zeit hätte sie auch Drogen probiert. Hier wäre sie dann irgendwann von der Polizei aufgegriffen worden. Danach hätte man sie bei Pflegeeltern untergebracht. Aber auch dort hätte es Probleme gegeben. Sie wäre darauf hin in einem Projekt namens "betreutes Wohnen" aufgenommen worden. Hier stellte man ihr eine eigene Wohnung zur Verfügung in der sie regelmäßig von ihren Betreuern besucht wurde. Dabei betonte Jane immer wieder, wie dankbar sie mir sei, dass ich sie da herausgeholt hätte. Mit mir wolle sie nun ein neues Leben beginnen und die Familie gründen, die sie sich immer gewünscht hatte.

Harte Brocken und schwere Anschuldigungen die sie mir da servierte. Ich konnte auch praktisch mit niemandem darüber reden, ich hatte nur ihr Wort. Ich konnte es glauben oder es lassen. Was tun? Heinz-Paul kannte ich inzwischen persönlich. Auf mich wirkte er aber gar nicht wie ein Gewalttäter. Ich fragte mich auch, wieso die denn alle frei herumlaufen, wenn sie Kinder vergewaltigen. Wäre alles erfunden, wieso war sie dann im Heim? Fragen konnte man auch keinen. Was tun? Sie erklärte mir, die laufen deswegen frei herum, weil das Gericht ihr nicht glauben würde. Aber warum war sie dann im Heim? Es war nicht mehr zu übersehen, Jane hatte ein Problem und ich ebenso, nämlich wie gehe ich damit um. Der einfachste Weg, einfach Schluss machen und Jane "wegen Nichtgefallens" wieder zurück senden, kam für mich nicht in Frage. Ich hatte mich für sie entschieden, war mittlerweile sogar mit ihr verlobt, also stehe ich auch zu ihr, in guten wie in schlechten Zeiten...

Parallel dazu tat sich ein weiteres Problem auf. Bevor Jane bei mir einzog hielten sich meine Einnahmen und Ausgaben in etwa die Waage. Nachdem Jane bei mir eingezogen war überstiegen die Ausgaben die Einnahmen. Auch dafür musste eine Lösung gefunden werden. Irgendeine Hilfstätigkeit, ein paar Stunden pro Woche, hätte ausgereicht. Es ging ja nicht darum Reichtümer anzuhäufen, sondern einfach etwas dazu zu verdienen. Man will doch nicht jede Mark fünfmal umdrehen müssen bevor man sie ausgibt. Aber an Arbeit war sie nicht interessiert. Eine Bekannte namens Natalie wollte sich um einen Ausbildungsplatz als Bürokauffrau für sie bemühen. Auch daran hatte sie kein Interesse, stattdessen war sie plötzlich schwanger. Als ihre Tage ausblieben ging sie sofort zum Frauenarzt. Der wollte offenbar nicht gleich einen Test machen. Er schickte sie mit den Worten: "Ein paar Tage drüber, das kann schon mal vorkommen, deswegen müssen Sie nicht gleich schwanger sein." wieder nach Hause. Darauf hin ging sie zum nächsten. Dort wurde ein Test gemacht, Ergebnis positiv.

Der Wandel

Nachdem feststand dass sie schwanger ist war sie innerhalb kürzester Zeit wie verwandelt. Von nun an gab es kein gemeinsames Frühstück mehr, Abendessen nur noch manchmal. War sie zuvor noch penibel mit Wohnung, Wäsche und Körperpflege umgegangen, blieb jetzt alles liegen. Stattdessen erlebte meine Telefonrechnung einen nie da gewesenen Höhenflug. Was war geschehen? Eine hormonelle Störung wegen der Schwangerschaft etwa? Kann das einen Menschen so verändern? Zu den stetig steigenden Ausgaben gesellten sich immer weitere Fragen über ihre Vergangenheit. Immer mehr passte nicht zusammen. Ich konnte nicht verstehen was mit diesem Menschen passiert ist. Jane war innerhalb kürzester Zeit nicht mehr wieder zu erkennen.

Bereits damals besaß ich eine Telefonanlage an der ich die Gesprächsdaten einschließlich der Kosten ausdrucken konnte. Da erschienen dann öfter mal Dauerferngespräche am Vormittag, wenn es am teuersten ist. Gebühren von 5 - 6 Euro für ein Gespräch waren keine Seltenheit. Es wäre für mich ein leichtes gewesen bestimmte Nummernkreise einfach zu blockieren, dann hätte sie da nicht mehr anrufen können. Aber in einer Partnerschaft haben doch solche Maßnahmen nichts zu suchen. Stattdessen versuchte ich ihr zu vermitteln, dass wir doch im selben Boot sitzen. Ich wollte ihr keinesfalls verbieten Bekannte anzurufen. Wenn es sich jedoch um Ferngespräche handelt, solle sie die doch auf den Abend verlegen, wenn es günstiger ist. Ich hielt nach wie vor an unserer Beziehung fest und hoffte auf ihre Einsicht. Vergeblich, am nächsten Tag das gleiche Spiel.

Alles war vergebens, man konnte nicht mehr mit ihr reden, sie ließ sich nicht mehr in den Arm nehmen, trotzdem gab ich sie nicht auf. Ich hatte mich für sie entschieden und hielt trotz allem zu ihr. Hinzu kam, dass jetzt auch noch ein Kind unterwegs war. Als ich wenige Tage darauf von der Arbeit nach Hause kam, lagen nur noch ein Abschiedsbrief, der Wohnungsschlüssel und ihr Verlobungsring auf dem Tisch.

Die Aufklärung

Insgesamt dauerte diese Beziehung ungefähr sechs Monate. Trotzdem war mir klar, dass noch etwas nachkam, denn Jane erwartete ein Kind. Trotz aller Zweifel und Ungereimtheiten musste ich davon ausgehen, dass da unser Kind unterwegs war. Obwohl ich ganz offensichtlich von ihr belogen und getäuscht wurde, konnte und wollte ich sie als Mensch nicht aufgeben. Ich war davon überzeugt, dass ihr irgendwann in ihrem Leben großes Unrecht widerfahren war, dass sie einmal selbst Opfer, von was auch immer, gewesen ist. Dies hielt ich für den Auslöser ihres Verhaltens. Glauben kann man viel, ich aber wollte es wissen.

In den folgenden Wochen und Monaten habe ich vielen Menschen viele Fragen gestellt. Einige Personen die dazu etwas sagen konnten habe ich aufgesucht, andere angerufen, manche haben sogar mich kontaktiert. Nun habe ich die Fragen gestellt die ich, solange die Beziehung bestand, nicht stellen konnte. Ich wollte das Unrecht das ihr widerfahren war aufdecken und für sie kämpfen, so wie ich es heute für meine Tochter tue. Die Dinge die dabei zum Vorschein kamen ließen Jane jedoch in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Ich erfuhr solche Nebensächlichkeiten wie sie z. B. meine Bekannten um Geld angebettelte, angeblich um mir etwas zu essen kaufen zu können. Selbst als die Ausgaben begannen die Einnahmen zu übersteigen war jederzeit genug Geld zum Einkaufen im Haus. Darüber konnte auch sie verfügen.

Ihren Verwandten hatte sie mich - hinter meinem Rücken - als "reichen Scheich", der sogar einen Oldtimer besitzt präsentiert. Oldtimer ja, aber reicher Scheich? Beim Oldtimer handelt es sich um einen restaurierten OPEL-Mittelklassewagen aus den 60ern. Obwohl da viel Arbeit und auch einiges an Geld drinsteckt übersteigt der ideelle Wert den materiellen Wert bei weitem.

Ich erfuhr, dass sie bereits kurz nach der Verlobung zu rechnen begann. Bekannten hatte sie vorgerechnet was ihr alles zustünde, wenn sie mich heiraten würde und sich danach wieder scheiden ließe.

Henry, den sie als Haupttäter an ihren Vergewaltigungen bezichtigte war schon vor Jahren verstorben. Ich erfuhr, dass er die letzten Jahre seines Lebens gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen war. Schon allein deswegen kam er als Täter nicht in Frage. Die Zeit bei ihren Pflegeeltern hatte sie genutzt um gegen mehrere Verwandte Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs anzustrengen. Unter anderem gegen Heinz-Paul und sogar gegen ihre eigene Mutter, diese hätte sie mit einer Sprudelflasche vergewaltigt. Alle Verwandten wurden freigesprochen.

Weiterhin erfuhr ich, dass sie bereits als Kind mehrfach negativ aufgefallen war und als schwer erziehbar galt. Bereits in frühester Jugend hatte sie mehrere sexuelle Kontakte zu wesentlich älteren Männern. Offenkundig wurde dies, als einer dieser Männer bei ihr zu Hause anrief. Als er glaubte Jane am Telefon zu haben machte er eindeutige Bemerkungen, es war jedoch ihre Mutter am Apparat. Darauf hin ergriffen ihre Eltern die Initiative. Da sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten kontaktierten sie das Jugendamt. Dieses leitete dann Verfahren gegen diese Männer ein. Einige wurden wegen Verführung Minderjähriger zu Geldstrafen verurteilt. Danach brachte man Jane in dem Erziehungsheim unter. Es bestätigte sich, dass sie dort ausgerissen war und einige Zeit später in Frankfurt von der Polizei aufgegriffen wurde. Auch ihre Tätigkeit auf dem Straßenstrich bestätigte sich.

Bei ihren Pflegeeltern wohnte sie deswegen nicht lange, weil sie ihnen einen größeren Geldbetrag entwendete. Weiterhin erfuhr ich, dass sie ursprünglich in ihrer Wohnung auch ein Telefon besaß. Dies hätte man jedoch entfernt, als die unbezahlten Telefonrechnungen einen Betrag von mehreren Hundert Euro überschritten. Insgesamt gesehen führte sie das was man als "kleinkriminellen Lebenswandel" bezeichnen kann. Sie verstand es stets die Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen auszunutzen und bediente sich vor allem dort, wo sie davon ausgehen konnte, nicht juristisch belangt zu werden. Ein Lebenswandel der mit dem Ausleihen und Nichtzurückgeben von kleineren Geldbeträgen und Gegenständen beginnt und bei Geschädigten endet die nichts unternehmen, weil sie sich schämen oder genau wissen, dass sie sowieso auf ihrem Schaden sitzen bleiben, da bei Jane "nichts zu holen" ist.

Über ihren derzeitigen Aufenthaltsort erfuhr ich, dass sie sich bei einer Prostituierten namens Gisela einquartiert hätte.

Und nun bekommt sie ein Kind von mir.

Ich hatte einen Volltreffer gelandet.

Obwohl das Kind nicht von mir geplant war, war es zu keiner Zeit unerwünscht. Niemals wäre für mich ein Schwangerschaftsabbruch als Lösung des Problems in Frage gekommen.

Sie taucht wieder auf

Nachdem sie sich ca. drei Monate weder bei mir noch bei ihren Eltern gemeldet hatte, rief sie mich im Frühjahr 1998 unverhofft an. Sie wollte mich sehen. Wir verabredeten ein Treffen bei ihren Eltern. Mit diesen war ich während der ganzen Zeit in Kontakt geblieben. Sie erzählte mir, dass sie einen großen Fehler begangen habe und wollte eine zweite Chance. Mein Standpunkt, grundsätzlich nicht ausgeschlossen, aber so nicht. Ich konfrontierte sie mit den Dingen die ich mittlerweile über sie erfahren hatte. Ich gab ihr zu verstehen, dass für mich eine Beziehung ohne Vertrauen undenkbar ist. In den folgenden Monaten bemühte sie sich intensiv mein Vertrauen wieder zu erlangen. Wir trafen uns regelmäßig, meistens bei ihren Eltern. Wir gingen spazieren oder auch mal aus und redeten viel miteinander, eine Beziehung bestand nicht. Ich wollte verstehen was in diesem Menschen, dessen Leben so gänzlich anders als meines verlaufen ist, vorgeht, bzw. vorgegangen ist. Ich wollte verstehen was in ihrem Leben schiefgelaufen ist. Sie erzählte mir, dass sie Angst gehabt hätte, mit achtzehn Jahren auf der Straße zu stehen. Ihre Wohnung bekäme sie nur so lange gestellt wie sie nicht volljährig sei. Sie hätte sich nicht vorstellen können, dass es ein Mann wirklich ernst mit ihr meint. Deswegen habe sie die Schwangerschaft herausgefordert. Dies habe sie durch die unregelmäßige Einnahme der Pille erreicht. Nun, da sie gesehen hätte wie viel Mühe ich mir ihretwegen gemacht habe, wäre sie jetzt von meinen ernsten Absichten überzeugt. Das klang zwar alles recht plausibel, war mir aber doch etwas zu dünn. Ich blieb bei meinem Standpunkt: Ich bin nicht vergeben, aber auch nicht zu haben. Zuerst muss das Vertrauen wachsen. Als der Geburtstermin näher rückte fuhren wir einige Male gemeinsam zu den Vorsorgeuntersuchungen. Wir trafen uns regelmäßig und telefonierten miteinander. Auch einige Briefe hat sie mir geschrieben.

Die Geburt

Der Geburtstermin war für Juli 1998 errechnet worden. Jane bat mich bei der Geburt dabei zu sein. Ich war einverstanden und habe mir einige Tage frei genommen. Zwei Tage saß ich neben ihrem Bett, aber das Baby hatte es nicht eilig. Manchmal gingen wir spazieren, oft saß ich einfach nur neben ihr und streichelte ihren Bauch mit dem Baby. Am dritten Tag erhielt ich früh morgens einen Anruf vom Krankenhaus, es ging los. Unter Missachtung sämtlichster mir bekannter Verkehrsregeln fuhr ich dann da hin, es waren immerhin rund 25 km. Als ich eintraf war das Baby bereits da, die Nabelschnur aber noch nicht durchtrennt. Ein Mädchen war geboren, Leanna. Während Mutter und Kind versorgt wurden hielt ich Janes Hand. Anschließend nahm ich meine Tochter auf meinen Arm, unvergessliche Momente. Ich blieb noch einige Stunden dort.

Am nächsten Tag besuchte ich Mutter und Kind wieder, diesmal brachte ich Jane einen Wildblumenstrauß mit. Die Blumen hatte ich dort gepflückt, wo wir uns im Jahr zuvor kennen lernten. Auch ich war nun zu einem zweiten Versuch bereit. Ich wollte ihr die Familie geben die sie sich so sehr gewünscht hatte. Obwohl ich genau wusste, dass sie mich beim ersten Mal belogen und benutzt hatte, war ich nun davon überzeugt, dass bei ihr ein Sinneswandel stattgefunden hatte.

Aber was nun? Die Blumen interessierten sie nicht und mich begrüßte sie mit den Worten: "Was willst denn du schon wieder hier?" Sie saß auf dem Bett und las eine Zeitung. Wenn ich ihre Hand nehmen wollte wehrte sie nur ab. Mittlerweile war auch ihr Bruder Sören gekommen. Alle Versuche mit Jane ein Gespräch zu führen blieben erfolglos." Lass mich in Ruhe." war die einzige Antwort. Nach ca. einer halben Stunde verabschiedete ich mich mit den Worten: "Jetzt hast du ja was du wolltest, da kann ich ja wieder gehen." Auch Sören verstand die Welt nicht mehr, hatte doch auch er in den letzten Wochen miterlebt, wie sich das Verhältnis wieder zu normalisieren schien. Wochen in denen sie mir immer wieder erzählte und in Briefen schrieb, dass sie mit mir eine Familie gründen wolle. Nun hatte sie zum zweiten Mal ihr wahres Gesicht gezeigt.

Um die meisten Dinge die nach der Geburt zu erledigen waren kümmerten sich Janes Eltern. Dafür bin ich ihnen dankbar. Sie waren es auch die es mir in den folgenden Wochen ermöglicht haben meine Tochter zu sehen, Jane hatte das stets abgelehnt.

Die Kosten

Nun war alles nicht mehr so einfach. Ein Kind war geboren und wollte auch versorgt werden, zu Recht. Kurze Zeit nach der Geburt erhielt ich eine Einladung von Herrn Strauß, dem zuständigen Mann beim Kreisjugendamt in Königsleisern. Ich möge bitte Personalausweis, Geburtsurkunde und Unterlagen bezüglich meines Einkommens mitbringen. Janes Rechnung war offensichtlich aufgegangen, zumindest was die materielle Seite anging. Eine allein erziehende Mutter mit Kleinkind bekommt erst mal einiges, größere Wohnung inklusive. Im Prinzip ist das ja auch nicht verkehrt. Wenn aber ein Kind nur in die Welt gesetzt wird um Sozialleistungen zu kassieren...

Das Kind kann nichts dafür, aber so wie ich die Dinge sehe dienen solche Regelungen dazu Bedürftigen zu helfen, nicht Bedürftige zu schaffen.

Mein Konto hatte sich noch nicht von den Begleiterscheinungen der Beziehung erholt, da begannen auch schon die Unterhaltszahlungen für meine Tochter.

Wieder überstiegen die Ausgaben meine Einnahmen. Die erste Lebensversicherung, die eigentlich als Altersversorgung gedacht war, wurde geopfert, eine Dauerlösung war nicht in Sicht.

Das größte Einsparpotential lag zweifelsohne bei meiner 2-ZKB-Wohnung. Zehn Jahre nachdem ich bei meinen Eltern ausgezogen war begann ich im September 1998 zusammen mit meinem Vater den Keller meines Elternhauses umzubauen. Mit Hilfe weiterer Bekannten entstand hier innerhalb von drei Monaten eine kleine Einliegerwohnung. Selbstverständlich beteilige ich mich auch hier an den Wohnkosten.

Jane war inzwischen in eine recht geräumige, vom Sozialamt finanzierte, Wohnung umgezogen.

Der Umgang

In den ersten Wochen nach der Geburt hatte Jane mir und allen anderen väterlichen Verwandten den Umgang mit Leanna verwehrt. Nur durch die stetigen Vermittlungsversuche ihrer Eltern war ein Umgang in unregelmäßigen Abständen möglich. Das am 01.07.1998 geänderte Kindschaftsgesetz, das auch unehelichen Vätern ein Umgangsrecht einräumt, interessierte sie nicht, es war IHR Kind. Mehrere Verwandte, sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits, versuchten zu vermitteln, aber Jane spielte ihre Spielchen. Stand endlich mal ein Termin wo Jane mit ihren Eltern und Leanna, bei meinen Eltern sonntags zum Essen eingeladen waren, sagte sie ihn samstags abends wieder ab. Dass dafür bereits Einkäufe getätigt und Vorbereitungen getroffen waren interessierte sie nicht.

Irgendwann in diesen Wochen wurde auch über einen Termin für die Taufe gesprochen. Als Taufpaten hatte Jane ihren Bruder Sören und ihre Tante Ulla ausgewählt. Zur Taufe hatte sie auch meine Eltern und mich eingeladen. Jeder hatte den Termin notiert und fest eingeplant. Bis dann ein Anruf von ihr kam: "Übermorgen ist Taufe, ihr könnt ja kommen, wenn ihr wollt." Ob der neue Termin jedem passte war für sie nicht relevant.

Als ich damit begonnen hatte den Keller meines Elternhauses umzubauen war Jane plötzlich wieder auf Annäherungskurs. Wieder begann sie mich anzurufen und mir Briefe zu schreiben. Wieder erzählte sie von großen Fehlern die sie gemacht hatte, wieder wollte sie mit mir zusammen kommen. Nun durfte ich auch plötzlich meine Tochter sehen. Wieder gab ich ihr zu verstehen, grundsätzlich nicht ausgeschlossen, aber so nicht. Ohne Vertrauen bin ich für eine Beziehung nicht zu haben und dieses war in den letzten Wochen nicht gerade gewachsen. Wieder bemühte sie sich mein Vertrauen zu gewinnen. War ich im Frühjahr noch skeptisch, war ich inzwischen sehr skeptisch. Trotzdem hatte ich gehofft, dass dieses Mal wirklich Einsicht und Verantwortungsbewusstsein gesiegt hätten.

Heilig Abend 1998, Jane hatte mich in ihre Wohnung zum Essen eingeladen. Auch ihre Eltern waren gekommen. Wir feierten Weihnachten fast wie eine richtige Familie. Als ihre Eltern gegangen waren blieb ich noch da. Sie umarmte und küsste mich und wollte unbedingt mit mir und Leanna wie eine richtige Familie zusammenleben. Auch ich hatte mir das gewünscht, aber in den letzten Monaten hatte sie sich einfach zu viel geleistet, um ohne wenn und aber ja sagen zu können. Ich hielt sie im Arm, streichelte sie und sagte zu ihr: "Liebe ist wie ein Pflänzchen, das man hegen und pflegen muss, damit es wächst und gedeiht. Das Pflänzchen ist da, aber es ist klein."

Das war ihr offensichtlich zu wenig. Wir sahen uns zwar auch am nächsten Tag beim gemeinsamen Essen mit ihrer Familie, aber von einer gemeinsamen Zukunft war nun keine Rede mehr. Stattdessen begann sie wieder mit ihren Spielchen. Anfang Januar 1999 lud ich sie in meine nun fast fertig gestellte Wohnung zum Essen ein. Sie sagte ab, wieder durfte ich meine Tochter nicht sehen. Zum dritten Mal zeigte sie ihr wahres Gesicht.

Alle nachfolgenden Versuche sowohl ihrer, als auch meiner Familie, einen regelmäßigen Umgang zu vermitteln blieben erfolglos. Nur selten und unregelmäßig hatte ich die Möglichkeit Leanna bei Janes Eltern zu besuchen. Jane spielte weiter ihre Spielchen. Irgendwann war es Olivia und Janosch gelungen einen gemeinsamen Besuch im Zoo zu organisieren. Wie selbstverständlich schob Jane während der ganzen Zeit den Kinderwagen. Einmal schob Olivia ihn mir zu, da nahm Jane sofort das Kind heraus und ließ mich mit dem leeren Wagen stehen.

Im Frühsommer 1999 bat ich erstmals das Jugendamt um Hilfe. Man verwies mich an einen Sozialarbeiter namens Jansen. Herr Jansen versuchte nach einigen Gesprächen sowohl mit mir, als auch mit Jane, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Ich war der Meinung, dass ich nur dann eine vernünftige Vater-Kind-Beziehung aufbauen könne, wenn ich Leanna regelmäßig für ein paar Stunden alleine hätte. Nur ohne Jane hatte ich eine Möglichkeit gesehen mich ungezwungen mit meiner Tochter beschäftigen zu können. Herr Jansen betonte, dass mir dieses Recht zustünde und ich es notfalls auch einklagen könne. Jane wollte auf keinen Fall, dass ich mit Leanna allein bin. Obwohl ich im Recht war und einen eventuellen Prozess auf jeden Fall gewonnen hätte, zog ich eine gütliche Einigung vor. Ich war kompromissbereit. Das Ergebnis war eine freiwillige Elternvereinbarung. Jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat sollte ich von nun an zwischen 16:00 und 18:00 Uhr meine Tochter sehen können. Die Termine sollten abwechselnd in ihrer und meiner Wohnung stattfinden. Jane könnte immer dabei bleiben und ich würde die Fahrt übernehmen, ein Kompromiss eben.

Das funktionierte einige Zeit. Während des Sommers wurde nicht selten aus den zwei Stunden ein ganzer Nachmittag, auch Olivia und Janosch waren öfter dabei. Auch an manchen Sonntagen dazwischen trafen wir uns. Für einige Wochen wurde alles recht locker und unverkrampft gehandhabt.

Im Spätsommer 1999 berichtete Jane jedem von ihrem neuen Lover. Wieder ein "reicher Scheich". Dieses Mal einer der sie regelmäßig zum Essen ausführt. Ich nahm es zur Kenntnis, gesehen habe ich ihn nie. Der kurz zuvor noch lockere Umgang beschränkte sich nun wieder auf die vereinbarten zwei Stunden.

Wenige Wochen danach war der Neue offensichtlich wieder verschwunden. Danach verlangte Jane, dass ich sie heirate. Nur ich wäre ihre große Liebe. Der Neue hätte nie existiert, sie hätte ihn nur erfunden um zu testen wie ich reagiere. Andere haben ihn jedoch gesehen.

Zwischenbilanz: Mittlerweile kannte ich Jane seit über zwei Jahren. Über zwei Jahre in denen sie mich immer wieder belogen hatte. Über ein Jahr in dem sie auf dem Rücken unserer Tochter ihre Spielchen spielte. Fast zwei Jahre in denen ich zwar nicht vergeben, aber auch nicht zu haben war, weil ich trotz allem die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nicht aufgeben wollte. Zwei Jahre in denen ich ihr immer wieder entgegenkam, weil ich auf Einsicht hoffte. Jetzt ging es nicht mehr. Mit ihrer Vergangenheit hätte ich leben können, aber auf immer neue Lügen kann ich nicht bauen.

Die Entscheidung die ich nun traf war mir schwer gefallen. Ich sagte zu ihr: " Nie wieder. Leb dein Leben wie es dir gefällt. Spiel deine Spielchen mit wem du willst. Wir können die besten Freunde sein. Wir sollten Partner bei der Erziehung unserer Tochter sein, aber an eine Beziehung ist nicht mehr zu denken." Eine schwere Entscheidung, denn damit war auch klar, dass unsere Tochter keine richtige Familie haben wird. Hätte ich aber weiter an einer gemeinsamen Zukunft festgehalten, wäre das einer Selbstaufgabe gleichgekommen.

Jane spielte weiter ihre Spielchen. Nun versuchte sie den Umgang so unbequem und ungemütlich wie möglich zu gestalten. Wenn ich meine Tochter besuchte fand ich eine verqualmte, unaufgeräumte und schmutzige Wohnung vor. Möbel und Fußboden klebten, Couch und Wohnzimmerteppich waren paniert und permanent plärrte ein Fernseher ohne dass jemand zuschaute. Wenn ich sie darauf ansprach antwortete sie, dass es ihre Wohnung sei und ich ja gehen könne, wenn es mir nicht gefiele. Wollte ich daraufhin mit Leanna spazieren gehen, bekam ich solche Antworten wie: " Leanna war heute schon spazieren und außerdem könne sie nicht raus weil sie erkältet wäre."

Jane hatte zwischenzeitlich einen Anwalt eingeschaltet, Herrn Lustig. Herr Lustig schrieb nun einen Brief an Herrn Jansen. Darin warf man mir vor, dass ich überhaupt kein Interesse an meiner Tochter hätte. Ich käme nur zum Fernsehen und um ihre Wohnung auszuspionieren. Diese Vorwürfe waren mir einfach zu lächerlich um überhaupt einen Kommentar dazu abzugeben.

Danach sagte sie an einem Sonntag, an dem der Umgang laut Vereinbarung bei mir stattfinden sollte, den Besuch ohne Angabe von Gründen ab. Ich könne ja zu ihr kommen, wenn ich Leanna sehen wolle, waren ihre Worte. Um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen, tat ich dies. Um 16:00 Uhr traf ich ein, um 17:00 Uhr verlangte sie, dass ich wieder gehe. Ich wies sie darauf hin, dass der Umgang laut Vereinbarung von 16:00 - 18:00 Uhr stattfindet. Sie drohte damit die Polizei zu rufen, sollte ich nicht unverzüglich ihre Wohnung verlassen. Ich bestand auf dem Umgang bis 18:00 Uhr, sie ging telefonieren. Als sie zurück kam griff sie sich Leanna, zog sich und dem Kind eine Jacke an und verschwand über die Straße in ein Nachbarhaus. Da ich keinen Sinn darin sah, mir fremde Menschen damit zu belasten fuhr ich nach Hause. Als sie mich wegfahren sah, kam sie wieder zurück.

Daraufhin kontaktierte ich erneut Herrn Jansen. Da meine Kompromissbereitschaft offensichtlich nicht zu einem dauerhaften Erfolg geführt hatte wollte ich nun, dass das Jugendamt um eine funktionierende Regelung herbeiführt. Auf Grund des letzten Vorfalles lehnte ich es ab meine Tochter weiterhin in Janes Wohnung zu besuchen, ebenso wenig war Jane nun in meiner Wohnung willkommen. Herr Jansen verwies mich zur Vermittlung eines betreuten Umgangs an den Kinderschutzbund. Nachdem ich hier einen Termin erhalten hatte schilderte ich Herrn Stephenson die Geschichte. Mittlerweile hatte ich Leanna bereits einige Wochen nicht mehr sehen können. Herr Stephenson war bemüht einen betreuten Umgang noch vor Jahresende 1999 zu vermitteln. Einen Umgang bei dem ich zusammen mit einer Aufsichtsperson eine Stunde mit Leanna in einem Spielzimmer verbringen könnte. Die Alternative wäre ein Einklagen des Umgangs gewesen, dies wollte ich jedoch noch immer vermeiden.

Überraschung, Mitte Dezember erhielten meine Eltern einen Anruf von Jane. Ich könne Leanna samstags um 16:00 Uhr abholen und sollte sie sonntags um 16:00 Uhr wieder zurückbringen. Bisher ließ mich Jane keine 2 Minuten mit Leanna alleine. Jetzt sollte ich sie plötzlich einen ganzen Tag und über Nacht bekommen und das auch noch freiwillig? Ein Sinneswandel etwa? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass guter Wille oder gar Einsicht zu diesem überraschenden Angebot führten. Viel mehr hatte ich den Eindruck, dass hiermit einer "Regelung von Amts wegen" vorgegriffen werden sollte und ich in ein paar Wochen noch schlechter dastünde als jetzt. Ich hatte befürchtet, dass Leanna in der ihr fremden Umgebung nicht ruhen würde. Dann hätte Jane künftig argumentieren können: Leanna fühlt sich nicht wohl bei ihrem Papa oder der Papa kommt mit dem Kind nicht klar. Ich habe das Angebot nicht angenommen und entschied mich stattdessen für den betreuten Umgang. Herr Stephenson hatte nun allerdings seine Vermittlungsversuche eingestellt, da für ihn kein Handlungsbedarf mehr zu erkennen war.

Nach weiteren familiären Vermittlungsversuchen war Jane bereit mir Leanna an Weihnachten für eineinhalb Stunden mit zu geben. Als ich meine Tochter abholte sagte Jane, dass ich Leanna auf keinen Fall etwas zu Essen geben dürfe. Leanna war nun, im Alter von 18 Monaten, zum ersten Mal mit mir allein. Als ich nach knapp 30 Minuten Fahrt bei meinen Eltern eintraf, hatte Leanna die ganze Zeit über geweint. Meiner Mutter war schnell klar, dass das Kind einfach nur Hunger hat. Da gaben wir ihr Suppe, danach war alles in Ordnung. Zufall oder Absicht? Stand der Gedanke, wonach ein schreiendes Kind für einen Vater vielleicht uninteressant ist dahinter? Für mich sieht es jedenfalls danach aus, beweisen lässt es sich allerdings nicht. Leanna wäre sicher auch noch länger da geblieben, aber nach ca. 40 Minuten war schon wieder heimfahren angesagt.

Nach diesem Besuch war es weder auf familiärer Ebene, noch mit Herrn Jansens Hilfe möglich, eine Umgangsregelung zu vermitteln.

Familiengericht, 1. Teil (Amtsgericht Meersbank)

Januar 2000, Leanna war mittlerweile eineinhalb Jahre alt. Eineinhalb Jahre in denen ich jederzeit eine gütliche Einigung einer gerichtlichen Auseinandersetzung vorgezogen hatte, obwohl ich dadurch auf einen Teil meiner Rechte verzichtete. Eineinhalb Jahre Kompromissbereitschaft ohne dauerhaften Erfolg. Man sagt, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Hier hat sich der Wald als Wüste entpuppt, eine Wüste in der jeder Schrei ungehört verebbt.

Anwälte, Gerichte, etc., damit hatte ich bisher glücklicherweise noch recht wenig zu tun, nun ging es nicht mehr anders. Ich engagierte eine Anwältin, Frau Kalinka, gefunden in den Gelben Seiten. Frau Kalinka stellte nun beim Amtsgericht in Meersbank einen "Antrag auf Umgang" . Unmittelbar danach erhielt ich einen Brief von Janes Anwalt Herrn Lustig. Ich möge ihn bitte kontaktieren um eine außergerichtliche Umgangsregelung herbeizuführen, zu spät.

Der Termin zur mündlichen Verhandlung war allerdings erst im April 2000. Den Vorsitz hatte Richter Wirksam. Über 3 Monate in denen ich Leanna nicht sehen konnte. Als sie mich im Flur des Gerichts erblickte hat sie mich jedoch gleich erkannt. Sie hat mich mit großen Augen angeschaut und "Papa" zu mir gesagt.

Im Prinzip stand das Ergebnis der Verhandlung bereits vorher fest, die Rechtslage ist eindeutig. Jane muss mir den Umgang mit Leanna ermöglichen. Nun ging es nur noch darum wie das zu erfolgen hatte. Vorgesehen war eine schrittweise Vater-Kind-Annäherung, immerhin sind 3 Monate für ein so kleines Kind eine lange Zeit. Warum es überhaupt drei Monate keinen Umgang gegeben hatte interessierte nicht. Richter Wirksam fragte, ob es denn jemand gäbe, der von beiden Parteien akzeptiert würde, in dessen Wohnung der Umgang angebahnt werden könnte. Daraufhin erklärten sich Janes Eltern, die im Zuschauerraum saßen, bereit ihre Wohnung zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich hatte ich keine Einwände, auch Jane war einverstanden. Nach der Verkündung des Ergebnisses bekamen sowohl Jane als auch ich von Richter Wirksam noch einen Spruch mit auf den Weg. Ich bekam zu hören, dass ich damit rechnen müsse, dass Jane immer wieder mit allen erdenklichen Ausreden versuchen wird den Umgang zu unterlaufen. Jane bekam zu hören, dass er sie dabei im Auge behält. Ich sagte ihm, dass ich darauf vorbereitet bin.

Obwohl die Verhandlung wie erwartet ausging, musste ich meinen Teil der Verfahrenskosten selbst bezahlen, immerhin mehrere hundert Euro. Jane, obwohl Verursacherin brauchte nichts zu bezahlen. Als allein erziehende Mutter ohne eigenes Einkommen erhielt sie Prozesskostenhilfe. Auf diesen Umstand wies mich Frau Kalinka bereits vor dem Prozess hin. Ich habe ihn trotzdem geführt und bereue es auch nicht. Meine Tochter ist mir das wert. Die gemeinsamen Stunden mit Leanna sind mehr als eine Entschädigung.

Über einen Zeitraum von 6 Wochen sollte nun der Umgang bei Olivia und Janosch schrittweise angebahnt werden. Im Wesentlichen funktionierte das auch. Am Ostersonntag kamen sie sogar mit Leanna zu mir. Abends haben Olivia und ich Leanna gebadet. Anschließend wollten wir sie in einem Reisebettchen schlafen legen, sie hat allerdings nicht geruht. Spät am Abend sind alle wieder nach Hause gefahren. Am Ostermontag holte ich Leanna morgens bei Olivia und Janosch ab. Bei der Abfahrt weinte sie zuerst danach gab es keine Probleme mehr. Leanna verbrachte den Tag mit mir und meinen Eltern. Gegen 18:00 Uhr brachte ich sie zu Jane zurück.

Am 30.04.2000 bot Jane mir überraschend an Leanna den ganzen Tag mit zu mir zu nehmen. Nichts lieber als das, ich fuhr zu ihrer Wohnung. Als Jane Leanna in mein Auto setzte wehrte sie sich und schrie, sie schrie auch unterwegs, wollte unbedingt zurück. Ich fuhr dann mit dem Kind zu Olivia und Janosch, dann war alles in Ordnung. Was mit Leanna passiert war blieb mir ein Rätsel. Erst später erfuhr ich, dass man dem Kind solche Sätze wie: "Wenn du nicht brav bist, kommst du zum Papa", gesagt hatte. Bezeichnenderweise präsentierte Herr Lustig später in seinem Schriftsatz ans Gericht eine Nachbarin als Zeugin die bestätigen kann, dass sich Leanna bei der Abfahrt am 30.04.2000 gewehrt hatte. Als ich Leanna zwei Wochen später wieder abholen wollte schrie sie wieder. Ich bot Jane an mitzufahren, sie lehnte ab. Begründung: Sie wolle an dem Tag woanders hin. Sie bot mir dann im Gegenzug an, Leanna in ihrer Wohnung zu besuchen. Wie das funktionieren sollte, wo sie doch woanders hin wollte, konnte sie nicht erklären. Ich habe abgelehnt.

Sommer 2000, auch an mir gingen die Aktionen der letzten Monate nicht spurlos vorüber. Den Prozess hatte ich zwar gewonnen, aber nun hatte ich eine knapp zweijährige Tochter die Angst vor ihrem Papa hatte. Jetzt war ich mit meiner Weisheit fast am Ende. Hinzu kam ein Trauerfall in unserer Familie, meine Großmutter war nach einem langen und erfüllten Leben gestorben. Wo manch Anderer vielleicht sein Heil in Alkohol, Nikotin, oder gar schlimmerem gesucht hätte, stürzte ich mich in meine Arbeit. Überstunden, Sonderschichten, Nachtschichten und einspringen wo jemand fehlt waren an der Tagesordnung. Dies hatte den positiven Nebeneffekt, dass ich mir nach Jahren wieder einen Urlaub leisten konnte. Mein bisher ungewöhnlichster Urlaub sollte es werden. Ich besaß einen 18 Jahre alten VW-Golf mit knapp 350.000 km. Diesen befreite ich von Beifahrer- und Rücksitz und bestückte ihn stattdessen mit Bett, Kühlbox, Gaskocher, Kurzwellenempfänger und Dusche. Dann fuhr ich los, Richtung Norden, allein. Nach vier Tagen und über 4.000 km ging es nicht mehr weiter, ich hatte das Nordkap, den nördlichsten Punkt des Europäischen Festlands erreicht. Es tat gut manche Sorgen einfach durch den Auspuff zu treten. In den nächsten 17 Tagen legte ich weitere 6.000 km zurück. Dabei durchquerte ich Skandinavien, das Baltikum und Polen. Viel Zeit um über sich und einiges andere nachzudenken. Viel Zeit um sich über einiges klar zu werden und neue Energie zu schöpfen. Nach diesem Urlaub war wieder arbeiten angesagt, viel arbeiten, 12 Stunden und mehr waren keine Seltenheit. Man hat eine sinnvolle Beschäftigung und schläft gut hinterher.

Auch Herrn Jansen habe ich wieder aufgesucht. Da der Umgang nicht wie geplant stattfinden konnte da das Kind "fremdelte", musste eine andere Lösung gefunden werden. Das Diakonische Werk wurde hinzugezogen. Ansprechpartnerin hier war Frau Groß. Nachdem Frau Groß Vorgespräche mit mir als auch mit Jane geführt hatte, sollte hier ein betreuter Umgang stattfinden. Den ersten Termin sagte Jane ab. Als Begründung gab sie an, sie hätte keine Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu diesem Termin zu erscheinen. Ich erstellte daraufhin mit Hilfe des Internets einen Routenplan und schickte ihn Frau Groß. Hier war detailliert aufgelistet wann man wo in welchen Bus oder Zug einsteigen oder umsteigen muss, um mit minimalem Aufenthalt zur gewünschten Zeit am gewünschten Ort zu sein. Diesen Plan schickte Frau Groß in Verbindung mit einem neuen Termin an Jane. Auch diesen Termin sagte Jane ab. Sie hätte keine Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder heim zu kommen. Wieder wurde ein neuer Termin, dieses Mal mit Plan für Hin- und Rückfahrt vereinbart. Diesen sagte sie dann "aus verschiedenen Gründen" ab. Dies geschah so kurzfristig, dass ich bereits auf dem Weg war und man mich nicht mehr erreichen konnte. Dennoch war diese Fahrt nicht umsonst, spätestens jetzt hatte man auch beim Diakonischen Werk gemerkt, wer wirklich an Leannas Wohl interessiert ist.

Familiengericht, 2. - 3. Teil (Amtsgericht Meersbank)

Mittlerweile war es September geworden, wieder waren Wochen vergangen in denen ich Leanna nicht sehen konnte. Ich beriet nun mit Frau Kalinka die weitere Vorgehensweise. Der nächste Schritt wäre ein "Antrag auf Zwangsgeld oder Beugehaft, im Falle fortgesetzter Umgangsvereitelung" gewesen. Davon versprach ich mir jedoch wenig, allein erziehende Mutter ohne eigenes Einkommen. Was sollte da ein Zwangsgeld und wer sperrt schon eine Mutter mit Kind ein? Ich fragte Frau Kalinka was denn der übernächste Schritt sei. Das wäre ein "Antrag auf teilweise Entziehung der elterlichen Sorge" . Dies sah für mich schon viel versprechender aus. Allerdings könne man aus juristischen Gründen den übernächsten Schritt nicht vor dem nächsten tun, beide gleichzeitig schon. Klar war, dass dafür ein paar hundert Euro, wie beim ersten Mal, nicht ausreichen würden. Dennoch erteilte ich Frau Kalinka den Auftrag beide Anträge zu stellen. Wenn ich mir noch kurz zuvor einen Urlaub leistete, werde ich nicht sparen wo es um meine Tochter geht.

Auch ich musste nun Farbe bekennen. Wenn ich beantrage Jane das Sorgerecht zu entziehen, muss ich auch bereit sein dieses zu übernehmen. Eigentlich war das nicht mein Ziel. Obwohl ich größte Vorbehalte gegenüber Janes Lebenswandel hatte, hielt ich den Verbleib Leannas bei ihr für vertretbar. Sie hatte den ganzen Tag Zeit, ich war berufstätig. Auch hatte ich die Gewissheit, dass Janes Eltern immer ein wachsames Auge über das Kind haben. Leanna hielt sich meist an mehreren Tagen in der Woche bei ihnen auf, oft mit Übernachtung. Ebenso wusste ich, dass sie Leanna regelmäßig besuchen falls sie nicht bei ihnen war. Eine akute Gefahr für meine Tochter sah ich deswegen nicht. Ich wollte lediglich einen ganz normalen ungezwungenen Umgang mit ihr haben können.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Sauerkraut verlangte nun eine Stellungnahme des Jugendamts. Herr Jansen schlug eine Verfahrenspflegschaft für Leanna vor. Eine neutrale Person sollte mit der Wahrnehmung Leannas Interessen betraut werden. Richter Sauerkraut folgte dieser Empfehlung und bestellte Frau Schwarz vom Kinderschutzbund. Wieder waren zwei Monate verstrichen in denen ich Leanna nicht sehen sollte. Wieder waren es Olivia und Janosch, die es mir dennoch ermöglichten.

Bereits mehrere Wochen hatte ich Leanna nicht gesehen als sich im November Olivia telefonisch bei mir meldete. Nachmittags besuchte sie mich mit Janosch und Leanna bei meinen Eltern. Sie boten mir an, samstags gemeinsam mit ihnen und Leanna zum Einkaufen zu fahren. Einkaufen muss ich sowieso, also warum nicht samstags. Wenn ich dabei auch noch Leanna sehen kann, wunderbar. Nachdem einige gemeinsame Einkaufsfahrten stattgefunden hatten, hatte auch Jane davon erfahren. Sie untersagte daraufhin ihren Eltern mir den Kontakt zu Leanna ohne ihr Beisein zu ermöglichen.

Dezember 2000, der betreute Umgang beim Kinderschutzbund lief an. Nun hatte ich die Möglichkeit mit Leanna allein in einem Spielzimmer zu spielen. Frau Schwarz und Jane hielten sich im Nebenzimmer auf. Nach dem zweiten Termin geriet das ganze ins stocken. Nacheinander wurden die Termine abgesagt, Kind krank, Mutter krank, anderer Termin bei Frau Schwarz etc. wurden als Gründe genannt. Frau Kalinka verlangte vom Gericht eine Erklärung für den Stillstand und drängte auf eine Fortsetzung der Maßnahme. Wieder passierte zwei Monate nichts, wieder zwei Monate in denen ich Leanna nicht sehen konnte. Diesmal waren auch Olivia und Janosch die Hände gebunden.

Im April 2001 kam ein Gesprächstermin zwischen Frau Schwarz, Jane und mir zu Stande, Leanna war nicht dabei. Das Ergebnis war eine neue Elternvereinbarung, diesmal jedoch mit gerichtlichem Segen. Demnach sollte ich Leanna alle zwei Wochen für zwei Stunden abwechselnd in meiner und ihrer Wohnung sehen können. Die Fahrzeit wird nicht auf die Besuchszeit angerechnet. Ich übernehme die Fahrt. Eine Verpflichtung auch Jane mitzunehmen bestand nicht.

Einige Wochen danach wurde vom Gericht im Verfahren Nr. 2 der Antrag auf Zwangsgeld zurückgewiesen, der Umgang fand ja statt. Das Verfahren Nr. 3 sollte bis Oktober ruhen um dann nach aktueller Sachlage entschieden zu werden. Auch dieses Mal musste ich meine Anwalts und Gerichtskosten selbst bezahlen, Jane erhielt Prozesskostenhilfe.

Erster Lichtblick

Nach Unterzeichnung der Elternvereinbarung durch Jane, Frau Schwarz und mich nahm ich Jane in meinem Auto mit zu ihren Eltern. Bei mir funktioniert das mit dem "in den Wald hineinrufen". Sie kam mir entgegen, also komme ich auch ihr entgegen. Dort erwartete uns Leanna. Zum ersten Mal kam Leanna bewusst auf mich zu. Sie freute sich und begrüßte mich mit "Papa" und "Daddy" . In ihrem Umfeld hatte sie regelmäßig Kontakt zu amerikanischen Kindern. Da die sich freuen, wenn sie abends von ihrem Daddy abgeholt werden, war das wohl auch auf sie übergesprungen. Bisher kannte sie zwar ihren Papa, konnte aber wohl nicht viel mit ihm anfangen. Nun war sie richtig stolz und hat auch in den folgenden Wochen immer wieder zu jedem gesagt: "Das ist MEIN Papa!"

Ich war immer noch daran interessiert auch mit Jane einen möglichst unverkrampften Umgang zu pflegen, immerhin ist sie die Mutter meiner Tochter. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich nach wie vor eine gütliche Einigung bevorzuge. Jeder lebt sein Leben wie er es für richtig hält, bei unserer Tochter sollten wir jedoch an einem Strang ziehen. Das käme sowohl ihr, als auch mir und insbesondere Leanna zu gute. Ich war auch bereit mit gutem Beispiel voran zu gehen. Zwei Tage später sollte der Umgang mit Leanna bei mir stattfinden. Aus den zwei Stunden wurde ein Nachmittag und auch Jane war mit dabei. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, soll es an mir nicht scheitern.

Ostern 2001, Jane hatte sich einen PC angeschafft. Allerdings hatte sie ihre Probleme mit der Tücke des Objekts. Da waren meine Kenntnisse gefragt. Warum auch nicht? Sie profitierte davon, wenn die Kiste läuft, ich konnte Leanna sehen und alle profitierten vom unverkrampften Umgang miteinander. In den folgenden Wochen war mein Wissen öfter gefordert, manchmal mehrmals pro Woche. Ich hatte damit kein Problem. Ich richtete ihr nacheinander Modem, Internet, E-Mail, Scanner, und Brenner ein. Ich zeigte ihr wie man Hard- und Software bedient, dabei hatte ich immer noch Zeit für meine Tochter. Innerhalb von drei Wochen entwickelte sich ein, in meinen Augen, normaler Umgang.

Im Mai 2001 ergab sich eine Veränderung in meinem persönlichen Bereich. Nach über 23 Jahren ununterbrochener Tätigkeit in einem Handwerksberuf musste ich diesen wegen Rückenproblemen aufgeben. Eine Umschulung war beschlossen und wurde rasch genehmigt. Der Beginn ließ jedoch auf sich warten. Dadurch bedingt hatte ich besonders viel Zeit um mich mit meiner Tochter zu beschäftigen. So hätte es eigentlich bleiben können, aber es kam anders...

Die Rechnung

Juni 2001, seit ca. sechs Wochen klappt der Umgang problemlos. Was war geschehen? Was steckt dahinter? Drei Jahre, in denen Jane mit allen Mitteln versucht hatte den Umgang zwischen Leanna und mir zu verhindern oder soweit wie möglich zu erschweren. Nun plötzlich Friede, Freude, Eierkuchen als wäre es niemals anders gewesen.

Ich spielte das Spiel mit und harrte der Dinge die da kommen. Ich war für PC, Schwimmbad, Einkaufen fahren und/oder ähnliches zu haben. Selbst mit ihr und Leanna ein paar Tage weg fahren wäre denkbar gewesen, Zeit hatte ich ja nun. Ich hegte die vage Hoffnung, dass es irgendetwas bewirkt, wenn ich immer wieder mit gutem Beispiel vorangehe. Während dieser Zeit konnte ich ein sehr inniges Verhältnis zu Leanna aufbauen. Dann kam die Rechnung per E-Mail...

"... Weiß, dass Du von diesem Thema nichts mehr hören willst, ..." "... Wenn ich sagte, dass ich Dich nicht mehr liebe, so war das gelogen, ich habe Dich immer geliebt..." "... Könntest Du Dir vorstellen noch mal eine Beziehung mit mir einzugehen? ..."

"... Wir haben ein süßes Kind und ich möchte irgendwann noch eins, aber nur mit Dir..."

In den folgenden Tagen schickte sie mir weitere E-Mails mit ähnlichem Inhalt. Auch dabei waren Grußkarten, jene vorgefertigten bunten mit pastellfarbenen Kringelchen und Klingelchen. Ganz nett und auf den ersten Blick auch glaubwürdig. Doch dann kam wieder die Tücke des Objekts ins Spiel. Mindestens eine der Grußkarten, eine mit Herzchen und Küsschen, hatte sie nicht selbst geschrieben. Sie hatte sie von einem Herrn Koy erhalten und einfach nur an mich weitergeleitet. Der komplette Name und auch die E-Mail-Adresse des Urhebers waren zu sehen, interessant. Die Karte habe ich gespeichert, den Namen gemerkt, gesagt habe ich nichts.

Nach drei Jahren in denen ich mir fast jede Minute mit meiner Tochter erkämpfen musste, möchte sie nun noch ein Kind von mir. Drei Jahre Lügen und Spielchen, dann ein paar Wochen schönes Wetter und nun soll all das vergessen sein? Zwei abgeschlossene und ein schwebendes Gerichtsverfahren, dann plötzlich doch die große Liebe, aber mit Herzchen und Küsschen eines Andern? Zu gut konnte ich mich noch an ihre Inszenierungen in der Vergangenheit erinnern. Mehrere Wochen oder sogar Monate konnte sie ihre Rolle als "Opfer der Gesellschaft", "fürsorgliche Partnerin", o. ä. nahezu perfekt spielen. Nicht nur ich bin mehr als einmal darauf reingefallen, auch meine ganze Familie und auch die meisten meiner Bekannten. Selbst Mitarbeiter von Behörden und karitativen Einrichtung können ein Lied davon singen.

Nur noch wenige Wochen bis zu Leannas drittem Geburtstag. Wenn ein Kind drei Jahre alt ist kann es in den Kindergarten gehen. Auch eine allein erziehende Mutter könnte dann zumindest einen Teil ihres Lebensunterhalts selbst verdienen, es sei denn sie bekommt wieder ein Kind. Für mich erübrigte sich spätestens nach den Küsschen von Herrn Koy die Frage, ob "große Liebe", oder "eiskalte Berechnung".

Um eine klare Antwort habe ich mich einige Zeit gedrückt. Musste ich doch annehmen, dass sie mit ihren Spielchen, falls ich ablehne, wieder von vorne beginnt. Aber nach einigen Tagen musste ich ja mal antworten.

"... Gute Freunde und Partner bei der Erziehung unseres Kindes, kann ich dir anbieten..."

Weiterhin gab ich ihr zu verstehen, dass wir die besten Freunde sein können, wenn ich einen normalen Umgang mit meiner Tochter haben kann. Ich habe ihr auch gesagt, dass ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln um meine Tochter kämpfen werde, falls sie das mittlerweile liebevolle und innige Verhältnis erneut sabotiert.

Ich weiß nicht wie meine Entscheidung ausgefallen wäre, wenn ich nur den geringsten Funken Hoffnung gehabt hätte, dass es diesmal wirklich anders werden könnte. Man soll ja nie Nie sagen und Menschen können sich ändern. Aber unter den gegebenen Umständen hatte ich keinen. Auch ich hatte in den vergangenen zwei Jahren neue Bekanntschaften geschlossen. Es gab auch Ansätze für Beziehungen. Doch um mich mit allem was dazu gehört so richtig reinzuknien hatte ich nicht den Nerv. Aber noch einmal eine Beziehung mit Jane, nach all dem was bisher passiert war? Wenn sich über eine sehr lange Zeit noch einmal ein Vertrauen entwickelt hätte, oder wenn ich wirklich glaubhafte Ansätze für einen verantwortungsbewussten Lebenswandel hätte erkennen können, wer weiß? Aber eine schmutzige und unaufgeräumte Wohnung mit überquellenden Aschenbechern, klebendem Fußboden und panierten Polstern deutet nicht gerade darauf hin. Freunde ja, aber mehr, unter diesen Umständen undenkbar.

Juli 2001, Jane hatte offenbar nicht das bekommen was sie wollte. An außerplanmäßigen Aktionen wie z. B. Schwimmbadbesuchen hatte sie jetzt kein Interesse mehr. Leanna konnte ich planmäßig sehen, immerhin schwebte ja noch ein Verfahren. Jane fand es nun besonders amüsant, in meinem Beisein mit anderen Männern am Handy zu schäkern. Pubertäre Spielchen einer 21-jährigen Mutter.

Der Computerscheich

Wenige Tage später teilte mir Jane mit, dass sie demnächst für einige Tage zu ihrem Freund fahren wolle. Leanna wäre in der Zeit bei einem befreundeten amerikanischen Ehepaar untergebracht. Ich nahm es zur Kenntnis, auch solche Spielchen waren schließlich nicht neu. Wieder ein "reicher Scheich" mit Computern für über 5.000 Euro sollte es diesmal sein. Na ja, soll sie mit dem ihre Spielchen spielen. So lange sich daraus keine Probleme für meinen Umgang mit Leanna ergeben, sollte es mich nicht belasten.

Im August 2001 rief mich Olivia an. Ganz aufgeregt sagte sie, dass sie seit zwei Tagen kein Lebenszeichen mehr von Jane und Leanna erhalten habe. Sie seien weder per Telefon, noch per Handy zu erreichen. In ihrer Wohnung wären sie nicht und auch sonst wüsste keiner wo sie sich aufhalten. Ich erzählte ihr was mir Jane zwei Wochen zuvor gesagt hatte. " Mein Gott, dann ist sie nach Wesnafurt gefahren" , war ihre Antwort. Von dem Ehepaar bei dem sich Leanna aufhalten sollte, wusste ich nur den Vornamen der Frau, Sharon.

Nun war ich neugierig geworden. Ich hatte ja noch die Grußkarte mit Namen und E-Mail-Adresse von Herrn Koy. Mit den mir zur Verfügung stehenden Werkzeugen des Internets hatte ich noch am gleichen Abend eine dazu passende Postanschrift in einem Nachbarort von Wesnafurt, eine (veraltete) Handynummer und ein Foto ausfindig gemacht. Als hilfreich erwies sich hierbei, dass Herr Koy eine breite Spur im Internet hinterlassen hatte. Weiterhin erfuhr ich, dass es sich bei ihm um einen Computerfreak und StarTrek-Fan handelt, der 1, 83 m groß, im Sternzeichen Widder geboren, mindestens 32 Jahre alt ist und eine Vorliebe für Chinchillas hat. Die Daten habe ich dann sogleich der recht verdutzten Olivia zur Verfügung gestellt. Olivia kannte auch Sharon und ihre Familie, sie besaß jedoch weder ihre Anschrift, noch ihre Telefonnummer. Ich konnte lediglich Sharons E-Mail-Adresse in Erfahrung bringen. Da es sich hierbei um eine E-Mail-Adresse des amerikanischen Militärs handelte, konnte auch ich nicht mit weiteren Informationen dienen.

Nach einigen Tagen tauchte Jane wieder auf. Dass sie die ganze Zeit nicht erreichbar war und niemand ihren Aufenthaltsort kannte, fand sie in Ordnung. Gleich nach ihrer Rückkehr gab sie bekannt, dass sie demnächst erneut zu Herrn Koy fahren wolle. Dann sollte auch Leanna mitkommen. Nach dieser Aktion konnte ich es mir nicht verkneifen, auch einmal ein Spielchen mit ihr zu spielen. Ich verfasste eine kleine Geschichte. Da hinein schrieb ich, ohne auf Details einzugehen oder Namen zu nennen, einen groben Ablauf dessen, wie es mir mit Jane bisher ergangen ist. Quasi der erste Urahn dieses Buches. Im Anhang 1 dieses Buches befindet sich eine Kopie. Diese schickte ich per E-Mail an Jane, eine für Jane sichtbare Kopie ging an Herrn Koy. In einem dicken Buch steht ein schlauer Spruch, "Wenn dir Einer auf die eine Backe schlägt, dann halte ihm auch die andere hin". Im Prinzip habe ich das drei Jahre lang getan, aber spätestens nach vier Backen habe ich keine andere mehr. Bei mir funktionierten ihre Spielchen nicht länger, da ich sie längst durchschaut hatte. Jetzt hatte sie ein neues ahnungsloses Opfer gefunden, dieses wollte ich wenigstens vorwarnen. Ich muss jedoch eingestehen, dass dies nicht meine einzigen Beweggründe waren. Ich weiß, eine hieb- und stichfeste moralische Rechtfertigung gibt es dafür nicht, aber auch ich bin nur ein Mensch. Danach war Jane nicht mehr ansprechbar, dieses Mal hatte sie wenigstens einen Grund. Von Herrn Koy erhielt ich keine Antwort.

August 2001, ich konnte Leanna nur nach den Regeln der Elternvereinbarung sehen. Eine Kommunikation mit Jane war nicht möglich, auch E-Mails beantwortete sie nicht mehr.

"... Warum kannst du nicht wirklich der Mensch sein, den du so gut spielen kannst?

Alles könnte so einfach sein..."

Offenbar hat es ihr gar nicht gefallen, einmal selbst Opfer zu sein. Opfer eines Spielchens, die sie immer spielt.

Wie in den vergangenen Jahren hielt sich Leanna oft bei Janes Eltern auf, meist auch über Nacht. Hier konnte ich sie einige Male außerplanmäßig sehen. Mein Verhältnis zu ihr konnte ich seit April 2001 nur als sehr liebevoll und innig bezeichnen. Olivia und Janosch waren von Janes Eskapaden ebenfalls wenig begeistert. An einem Samstag half ich Janosch bei einer Arbeit am Haus. Leanna war schon seit mehreren Tagen bei ihren Großeltern. Abends beschlossen wir einmal zu versuchen, ob sie auch bei mir übernachten würde. Leanna war von der Idee beim Papa zu schlafen begeistert. Sie fuhr mit mir nach Hause, ich stellte mein Reisekinderbettchen auf, es gab keinerlei Probleme. Sonntags nach dem Frühstück holten wir Olivia und Janosch ab und fuhren gemeinsam zum Schwimmen. Abends nahmen sie Leanna wieder mit nach Hause. Da eine normale Kommunikation mit Jane schon seit Wochen nicht möglich war, informierte ich sie per SMS über Leannas problemlose Übernachtung bei mir. Daraufhin rief Jane ihre Eltern an, verlangte das sofortige Zurückbringen Leannas und erteilte ihnen Hausverbot. Wenige Tage danach reiste sie ab.

Ungewöhnliche Kontakte, 1. Teil

Mitte August 2001 erhielt ich eine von Jane und Herrn Koy gemeinsam verfasste E-Mail. Darin stand, dass Janes E-Mail-Adresse gelöscht wird, sie mit Herrn Koy zusammenziehen und eine Familie gründen will. Weiter wurde ich gebeten sie "in Zukunft zufrieden zu lassen" . Wie aber mein Umgang mit Leanna aussehen sollte, war dieser Nachricht nicht zu entnehmen. Da ja Janes E-Mail-Adresse gelöscht wird, wandte ich mich direkt an Herrn Koy.

"... Auch wenn Kontakte auf dieser Ebene in unserer Gesellschaft eher unüblich sind, erlaube ich mir trotzdem diese E-Mail zu schreiben. Da ich weiterhin davon ausgehe, dass mein Kind diesen Umzug mitmacht, werden wir uns zwangsläufig sowieso wohl bald kennen lernen und öfter sehen..."

Am Tag darauf erhielt ich auch eine Antwort.

"... Ich danke Ihnen für die positive E-Mail die Sie mir gesendet haben. Da ich auch vermute das wir uns mal persönlich kennen lernen hoffe ich das dies doch vernünftig von statten geht..."

Anfang September 2001.

"... laut Elternvereinbarung, findet am Sonntag, dem 09.09.2001 ein Umgang zwischen mir und meiner Tochter statt..."

"... wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir eine kurze Wegbeschreibung für die "letzte Meile" von der Autobahn zu Ihrer Wohnung geben könnten..."

Die Antwort darauf.

"... Deswegen schlagen wir zwei Varianten vor und bitten Sie um Entscheidung!

a) Da ******* am 22.09.2001 wieder zu Hause ist könnte man das Treffen auf den 23.09.2001 verlegen. Sie befindend sich dann für 1 Woche Zuhause um dann wieder für ca. 2-3 Wochen zu mir zu kommen wegen Wohnungssuche und Amtsgänge.

b) Sie kommen am 09.09.2001 um 14:00 Uhr nach ***** zu einen Treffpunkt (in der Wohnung ist nicht erwünscht) um ****-**** dort abzuholen. Anschließend bringen Sie ****-**** dann auch wieder am 09.09.2001 um 19:00 Uhr zu diesen Treffpunkt zurück!!! ..."

"... folgt eine Kreuzung und etwas weiter eine Fußgängerampel dort befinden sich 2 Bushaltestellen und dort werden Sie dann ******* und ****-**** um 14:00 Uhr vorfinden wenn Sie sich für b) entscheiden..."

Ich entschied mich für Variante "b" .

Zwischenbilanz - Reorganisation - Kurswechsel

Mitte August 2001, Leanna war nun etwas mehr als drei Jahre alt, mein Verhältnis zu ihr liebevoll und innig. Jane hatte ihre Absicht weg zu ziehen bekannt gegeben. Prinzipiell stand ich ihr nicht im Weg. Noch sah ich auch in einem Umzug Leannas kein grundsätzliches Problem. Begeistert war ich von dem Gedanken allerdings nicht. Es sind hin und zurück mehr als 1000 km die ich fahren müsste um Leanna zu sehen. Zuerst ging ich davon aus, dass Jane mit Leanna regelmäßig hier her kommt um ihre Familie zu besuchen. Mit gutem Willen hätte sich eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden lassen. Außerdem erwartete ich, dass auch andere Familienmitglieder den Kontakt zu Leanna aufrechterhalten würden.

Nun erhielt ich jedoch weitere Informationen über Janes Lebenswandel. Ich bekam einen glaubwürdigen Hinweis, wonach Jane in der Zeit nachdem sie 1997 bei mir ausgezogen war, eine Sozialwohnung in der Nähe von Königsleisern erhalten hätte. In dieser hätte sie jedoch nie gewohnt. Die diesbezüglich gewährten finanziellen Mittel hätte sie anderweitig ausgegeben. Sozialbetrug?

Ein weiterer Hinweis besagte, dass sie 1998 nur ihre Schwangerschaft vor einer Inhaftierung wegen einer anderen Sache bewahrt hätte. Nähere Angaben konnte oder wollte man mir nicht geben.

Im Sommer 2001 war in ihrer derzeitigen Wohnung das Heizöl aufgebraucht. Daraufhin erhielt sie vom Sozialamt einen Zuschuss um neues zu kaufen. Das Geld hatte sie jedoch anderweitig ausgegeben. Im Sommer ist das zwar nicht unbedingt problematisch, aber dadurch bedingt gab es auch kein warmes Wasser. Als sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlte wurde Ihr Telefonanschluß stillgelegt. Von ihren Eltern erfuhr ich, dass sie Janes PC vorfinanziert hatten und sie nun bei der Rückzahlung der Raten im Rückstand wäre.

Vom ersten Tag an hielt sich Leanna oft mehrere Tage und Nächte bei Olivia und Janosch auf. Hier hatte sie die Möglichkeit mit anderen Kindern zu spielen. Hier waren ihre Freunde und Spielkameraden, hier war ihr Lebensmittelpunkt.

In den ganzen drei Jahren hatte ich nie die Absicht Jane Leanna weg zu nehmen. Ich wollte lediglich einen normalen ungezwungenen und unkomplizierten Umgang mit meiner Tochter haben können. Obwohl ich mich mit Janes Lebenswandel überhaupt nicht identifizieren konnte, sah ich bisher keine akute Gefahr für meine Tochter. Jane besaß zwar das alleinige Sorgerecht, vielmehr betrachtete ich jedoch Janes Eltern als Garanten für Leannas Wohlergehen. Die ganzen Spielchen die Jane in den letzten drei Jahren mit dem Umgang getrieben hatte waren zwar lästig. Eine akute Gefahr für Leanna stellten sie allerdings nicht dar. Nun aber sollte Leanna 500 km weg ziehen. Je länger ich darüber nachdachte, desto unwohler wurde mir bei dem Gedanken. Auch der Gedanke wie Janes Lebenswandel sich wohl weiter entwickeln wird, wenn ihre Eltern nicht wenigstens ab und zu nach den Rechten sehen, war nicht gerade ermutigend. Zuviel war mir über ihre Vergangenheit und auch über ihre Gegenwart bekannt. Zudem musste ich davon ausgehen, dass meine Informationen noch nicht einmal vollständig waren.

Ich stand mit meiner Skepsis nicht allein, auch Janes Eltern äußerten Bedenken. " Wenn Jane unbedingt wegziehen will, dann soll sie das tun, wir können sie nicht halten. Aber dann soll sie doch wenigstens das Kind da lassen." waren ihre Worte. Auch wollten sie Jane nicht "hinterher fahren" .

Diese Aussichten bewogen mich im August mit Hilfe von Frau Kalinka einen "Antrag auf Sorgerechtsänderung, gleichzeitige Entziehung des Rechts der elterlichen Sorge" zu stellen. Ich wusste, dass meine Erfolgsausichten als unehelicher Vater diesbezüglich gering sind, dennoch stellte ich den Antrag. Aus juristischer Sicht war dies das einzige was ich tun konnte. Ich konnte mich nicht damit zufrieden geben, vielleicht ein- oder zweimal im Monat, jeweils für ein paar Stunden meine Tochter zu besuchen um dabei tatenlos zu zusehen, wie sie sich in die gleiche Richtung wie ihre Mutter entwickelt und irgendwann auch auf dem Strich landet.

Erster Umgang in Wesnafurt

Anfang September 2001, der erste Umgang in Wesnafurt stand bevor. Für mich stand von Anfang an fest, egal wo Jane Leanna auch hinschleppt, wenn der Umgang dort machbar ist findet er auch statt. Nun war ich bestrebt auch Janes Eltern zur Mitfahrt zu bewegen, immerhin sind sie Leannas Hauptbezugspersonen. Gerade jetzt hielt ich es für wichtig Leanna zu zeigen, dass sie nicht allein ist. Sie sollte wissen, dass Papa und Großeltern auch dann noch für sie da sind, wenn ihre Mama mit ihr fort geht. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet. Olivia und Janosch waren überhaupt nicht gewillt ihrer Tochter hinterher zu fahren. Sie konnten auch nicht verstehen warum ich das tue. Es folgte eine heftige und lautstarke Debatte. Ich musste mich fragen lassen ob ich "Mann oder Hampelmann" wäre, wenn ich Jane hinterher fahre. Meiner Argumentation, dass ich auch dann für meine Tochter da sein will, wenn sie von Jane um die halbe Welt verschleppt wird, konnten sie sich nur zögernd anschließen. Hierbei muss ich anmerken, dass es sich bei Janes Eltern um eine recht bodenständige Familie handelt, die sich nur selten mehr als 100 km von ihrem Wohnort entfernt. Dennoch war es mir gelungen beide zur Mitfahrt zu überreden. Auch meine Mutter schloss sich an.

Nachdem ich mich samstags mit Herrn Koy über Treffpunkt und Uhrzeit verständigt hatte, fuhren wir sonntags gegen 8:00 Uhr los. Über 500 km, überwiegend Autobahn, lagen vor uns. Als Verkehrsmittel diente mein inzwischen 19 Jahre alter Golf. Auf Grund seines Alters und seiner Laufleistung von über 375.000 km, war die Geräuschkulisse in diesem jedoch eine andere als in einem Neuwagen. Dieser Umstand löste beim Überschreiten von 100 km/h bei Janes Eltern offenbar heftige Zweifel an der Verkehrssicherheit des Fahrzeugs aus. Nach dem Überschreiten von 200 km/h während einer Bergabfahrt verstummten diese jedoch.

Kurz nach 13:00 Uhr hatten wir unser Reiseziel erreicht. Um 14:00 Uhr sollte die Übergabe stattfinden, somit hatten wir noch etwas Zeit zum Mittagessen. Um 14:00 Uhr warteten wir am vereinbarten Treffpunkt. Dann kam Jane mit Leanna, Herr Koy war nicht zu sehen. Als Leanna Papas Auto erblickte, lief sie sofort freudig darauf zu. Noch mehr freute sie sich als außer mir auch noch ihre beiden Omas und ein Opa ausstiegen. Jane war offensichtlich nicht begeistert. Per Internet hatte ich mich über das Freizeitangebot in Wesnafurt informiert. Da das Wetter nicht so gut war, entschlossen wir uns zu einem Besuch im Hallenbad.

Kurz vor 19:00 Uhr waren wir wieder am Treffpunkt. Während wir auf Jane warteten, sagte Leanna immer wieder, dass sie mit uns heimfahren möchte. Sie wollte nicht mit ihrer Mama hier bleiben. Als Jane eintraf und sie mitnehmen wollte, krallte sie sich fest. Jane zog das schreiende Kind aus dem Auto und verschwand.

Nach ca. 1.130 gefahrenen km waren wir kurz nach Mitternacht wieder zu Hause. Janes Eltern erklärten, dass sie ein weiteres Mal nicht hinfahren werden.

Defensive - Offensive - Alternative?

Meinen "Antrag auf Sorgerechtsänderung" hatte ich gestellt. Nun kam ein Problem der deutschen Rechtsprechung ins Spiel. Wenn ein Elternteil das Sorgerecht erst einmal hat, bestehen für den anderen wenig Chancen es zu bekommen. Es wird weder geprüft bei welchem Elternteil das Kind besser aufgehoben sein könnte, noch interessiert es wo das Kind die besseren Entwicklungschancen hätte. Auch ein Anspruch auf ein gemeinsames Sorgerecht besteht nicht. So wie man einen Bankräuber erst fangen kann nachdem er eine Bank ausgeraubt hat, wird hier erst dann etwas unternommen, wenn das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist. Es sei denn, man kann dem sorgeberechtigten Elternteil nachweisen, dass z. B. das Kind vernachlässigt wird. Auch wenn der Lebenswandel des sorgeberechtigten Elternteils, z. B. wegen Straftaten, Zweifel an seiner Erziehungsfähigkeit aufkommen lässt, kann ihm das Sorgerecht entzogen werden. Auch fortgesetzte Umgangsverweigerung könnte ein Grund sein.

Dass man Janes Lebenswandel sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart, nicht gerade als vorbildlich bezeichnen kann ist offensichtlich. Das Problem dabei, "Jeder" weiß es, aber der Richter weiß es nicht. Es existieren zwar jede Menge Akten, aber dort wo sie liegen, liegen sie gut. Sie sind auf unterschiedliche Behörden verteilt, einen Gesamtüberblick hat niemand. Auch musste ich annehmen, dass einige Dinge wie z. B. die zweckfremde Verwendung des Heizkostenzuschusses noch gar nicht aktenkundig sind. Das bedeutete für mich, dass ich nach meinem Antrag nicht einfach die Hände in den Schoß legen konnte. Wenn der Antrag vor Gericht erfolgreich sein sollte, musste ich Argumente liefern.

Immer mit gutem Beispiel vorangehen, immer noch eine andere Backe hinhalten, immer wieder auf Janes Einsicht hoffen, immer wieder eine gütliche Einigung favorisieren, all das hatte in dreieinhalb Jahren nichts gebracht. Wenn ich jetzt nicht bereit wäre in die Offensive zu gehen, hätte ich es mit zu verantworten, wenn meine Tochter irgendwann wie ihre Mutter auch auf dem Strich landet.

Bisher war ich immer defensiv vorgegangen. Jugendamt und Gericht schaltete ich immer erst dann, wenn alle anderen Mittel versagt hatten. Dennoch hielt ich stets die Option einer gütlichen Einigung offen. Nun hatte ich nur noch die Wahl zwischen "angreifen" oder "aufgeben". Aufgeben würde bedeuten meine Tochter aufzugeben. Aber auf die Mutter "schießen" um das Kind zu retten? Keine leichte Entscheidung. Auch Ratschläge von Familie, Freunden und Bekannten können einem eine solche Entscheidung nicht abnehmen. Mancher riet: "Kümmere dich nicht mehr darum, komm deinen Verpflichtungen (Unterhalt) nach, blick nach vorne und fang was Neues an." Andere rieten zum Beten, einige zum Kämpfen. Ich habe mich zu letzterem entschlossen.

Meine Tochter aufgeben und weiterleben als würde sie nicht existieren, nur noch durch die Kontoauszüge an sie erinnert zu werden, kam für mich nicht in Frage. Darauf warten, dass irgendwann ein fremder Mensch vor meiner Tür steht und zu mir sagt: "Ich bin deine Tochter, warum hast du nie nach mir gefragt?" Nicht mit mir!

Hände falten und darauf warten, dass sich alle Probleme von selbst lösen? Mag für manchen der richtige Weg sein, ich kann mich dem jedoch nicht anschließen. Auf die möglicherweise jedem widerfahrende Gerechtigkeit im Jenseits wollte ich auch nicht warten, schon gar nicht, wenn ich im Diesseits etwas dazu beitragen kann.

Wenn ich auf juristischem Wege etwas erreichen wollte, musste ich versuchen zumindest die mir bekannten Ungereimtheiten in Janes Lebenswandel vor Gericht gegen sie zu verwenden. Da meine bisherige von "gutem Willen und Hoffnung" geprägte Vorgehensweise dazu führen könnte, dass meine Tochter irgendwann auch auf dem Strich landet, war nun eine Kehrtwende unumgänglich. Dreieinhalb Jahre hatte ich versucht "Feuer mit Wasser" zu bekämpfen. Nun sah ich zu "Feuer mit Feuer" bekämpfen keine Alternative mehr.

Weder für Geld, Karriere, noch für sonstige persönliche Vorteile hätte ich zu den Mitteln gegriffen die nun folgen sollten, aber hier ging es um meine Tochter. Wohl war mir nicht dabei, aber eine Alternative sah ich auch nicht.

Am 11. September 2001 um 12:53 Uhr sendete ich eine E-Mail an das Sozialamt der Verbandsgemeinde Meersbank:

..."ich bin der leibliche Vater von ****-**** *******, wohnhaft in ***********, *********** *.

Im Juli dieses Jahres hatte ich zum letzten Mal die Gelegenheit meine Tochter in der Wohnung ihrer Mutter zu besuchen.

Dabei habe ich erfahren, dass das Heizöl aufgebraucht wäre und sie kein Geld hätte um neues zu kaufen.

Mittlerweile habe ich erfahren, dass sie von Ihnen Geld für Heizöl erhalten hätte, dieses jedoch für andere Zwecke verwendet hätte. Warmwasser gäbe es immer noch keines und mittlerweile dürfte wohl auch die Wohnung kalt sein.

Die Mutter meiner Tochter ist zurzeit mit meiner Tochter verreist. Nach meinen letzten Informationen wollte sie am 22.09.2001 wieder zu Hause sein und eine Woche danach erneut verreisen.

Ich weiß, dass meine Vorgehensweise nicht unbedingt der feinen Art entspricht, aber ich sehe leider keine andere Möglichkeit. Hier geht es um meine Tochter. Meine Tochter ist jetzt 3 Jahre alt und ich kann auch bei noch anderen Aktivitäten ihrer Mutter nicht tatenlos zusehen. Das zuständige Jugendamt wurde ebenfalls von mir informiert.

Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung"...

Einige Tage danach erschien ich dort persönlich. Meine Ansprechpartner waren Herr Christoph und Herr Hamlet. Höflich und korrekt teilte man mir mit, dass man mir als Privatperson keine Auskünfte geben könne. Meine Schilderungen fanden jedoch Gehör. Man sagte mir, dass alles was man gegen solch eine Mutter unternehmen könne, letzten Endes auch die Kinder treffe. Meine Äußerung, wonach diese Mutter ihr Kind quasi als Geisel missbraucht um sozial abgesichert zu sein, bestätigt man.

Ungewöhnliche Kontakte, 2. Teil

Eine E-Mail die ich nach dem ersten Umgang in Wesnafurt an Herrn Koy schickte, hatte er beantwortet.

..."Auch ich als Außenseiter war sehr überrascht und sehr erfreut zu sehen das es noch verantwortungsvolle Väter auf dieser Erde gibt. Es sollen sich mal einige eine Scheibe davon abschneiden!!!
Meiner Meinung nach gebe ich Herrn ******* voll Recht dass es gut wahr dass auch die Oma und Opa dabei waren und dass das Kind erkennt dass es auch von dieser Seite Liebe bekommt und nicht verlassen ist.
Alleine ist das Kind hier aber auch nicht, es wird von Allen herzlichst aufgenommen und hat auch schon kleine Freundschaften geschlossen :) !!!
Und wenn es mal hier wohnen sollte wird es ihm an nichts fehlen und wir freuen uns immer wieder über den Besuch der Verwandten die das Kind sehen möchten." ...

Ab 14. September 2001 übermittelte ich Herrn Koy nähere Informationen über Jane. In einer recht langen E-Mail schilderte ich ihm die Situation. Ich übermittelte einige Details über Janes Lebenswandel und ihren Umgang mit dem Umgang. Noch hatte ich Skrupel alles auszupacken.

..."Um Missverständnisse auszuschließen möchte ich Ihnen hiermit einige wesentliche, in meinen Augen wichtige Dinge mitteilen.

Für mich spielt es keine Rolle, ob Sie in Ihrer Beziehung Ihren Spaß, Ihr Lebensglück, oder was auch immer suchen, glauben gefunden zu haben, oder gar tatsächlich gefunden haben." ...

Dadurch begann ein ca. zweiwöchiger Dialog per E-Mail, an manchen Tagen wurden sogar mehrere E-Mails ausgetauscht. Im Wesentlichen versuchte ich Herrn Koy davon zu überzeugen, dass Leanna in ihrer vertrauten Umgebung besser aufgehoben ist als in der Fremde, auch wenn sich im Moment alle noch so rührend um sie kümmern. Bei Informationen über Janes Lebenswandel beschränkte ich mich auf den Zeitraum in dem ich sie persönlich kannte.

Herr Koy verteidigte Jane. Er hielt meine Schilderungen für erfunden und betrachtete alles als Racheakt meinerseits. Wie sollte er auch ahnen was er sich da über das Internet eingefangen hatte. Er kannte weder ihr Vorleben noch ihr Umfeld, weder ihre bisherige Lebensweise noch hatte er jemals einen Fuß in ihre Wohnung gesetzt. Er sah nur sie, die perfekte Schauspielerin und er hatte die E-Mails von mir. Ich kann ihm nicht verübeln, dass er ihr unter den gegebenen Umständen mehr Glauben schenkte. Auch ich hätte mich an seiner Stelle wohl kaum anders verhalten. Dennoch kam der Dialog zustande. Sein Schreibstil und seine Ausdrucksweise ließen jedoch erahnen unter welchem Stress er stand. Obwohl er seine Antworten nicht immer freundlich formulierte, weckten sie in mir eine gewisse Sympathie. Er zog sich nicht einfach aus der Affäre, sondern stellte sich dem Dialog. Praktisch alle von mir erhobenen Vorwürfe kommentierte er. Dass wir dabei selten einer Meinung waren, lag wohl in der Natur der Sache. In einem Punkt stimmten wir jedoch überein. Obwohl jeder technisch dazu in der Lage gewesen wäre versuchte keiner den anderen mit gefälschten E-Mails oder Gästebucheinträgen in ein schlechtes Licht zu rücken. Auch gab es zu keiner Zeit E-Mails deren Inhalt dem PC des anderen hätten Schaden zufügen können.

Am 28.09. erhielt ich einen Brief von Janes Anwalt. Herr Lustig wollte mir in Janes Auftrag verbieten Herrn Koy weitere E-Mails zu senden, bzw. ihn anderweitig zu kontaktieren. Interessant war, dass hier Jane und nicht Herr Koy die Initiative ergriffen hatte. Ich scannte den Brief ein, schickte ihn per E-Mail an Herrn Koy und bat ihn um eine Stellungnahme. Darauf hin teilte er mir mit, dass ich ihm keine weiteren E-Mails mehr schicken möge. Selbstverständlich akzeptierte ich seinen Wunsch.

..."selbstverständlich akzeptiere ich Ihren für mich doch überraschenden Wunsch. Ich werde Ihnen nach dieser, unaufgefordert keine weiteren E-Mails mehr schicken. Ich werde sie weder anrufen noch anderweitig kontaktieren. Einzige Ausnahme, wenn es um die Belange meiner Tochter geht!!! Sie dürfen mich gerne weiterhin kontaktieren, "...

Zweiter Umgang in Wesnafurt...

Am 23.09.2001 sollte laut Elternvereinbarung wieder ein Umgang stattfinden. Ich teilte Herrn Koy mit, dass man mir Leanna wie zwei Wochen zuvor am gleichen Ort zur gleichen Zeit übergeben möge. Er antwortete, dass Jane und Leanna an dem Termin voraussichtlich wieder daheim sein werden. Am 16.09. erhielt ich dann von Herrn Koy eine SMS:

..."Sie wollten doch Info wenn sich was ändert. Wegen Kosten wird ******* etwas später nach Hause kommen. Das Treffen am 23.09. ist wieder in ***** (L501) 14-19 Uhr"...

Ich fragte ihn wann denn nun die Rückreise sei. Sollte Leanna am 30.09. zu Hause sein, wäre ich mit einer Verschiebung des Umgangs um eine Woche einverstanden. Sollte die Rückreise später erfolgen, würde ich am 23.09. meinen Umgang planmäßig in Wesnafurt ausüben.

Am 22.09. wurde ich morgens durch einen Anruf von Jane geweckt. Sie teilte mir mit, dass Leanna krank sei und deswegen der Umgang am 23.09. nicht stattfinden könne. Sie wäre auch so krank, dass eine Rückreise mit dem Zug ausgeschlossen sei. Wenn ich aber sowieso bereit gewesen wäre nach Wesnafurt zu fahren, könne ich ja trotzdem kommen und sie und Leanna mit dem Auto zurück nach Hause nehmen. Leanna wäre so krank, dass sie gerade noch mit dem Auto fahren könne, aber nicht mit dem Zug. Interessante Logik... Hätte ich nicht erst wenige Tage zuvor die SMS erhalten wonach sich die Rückreise wegen der Kosten verschiebt, hätte ich es vielleicht sogar geglaubt.

Es ist richtig, dass ich nach Wesnafurt gefahren wäre um meine Tochter zu sehen. Auch heimfahren müsste ich danach. Im Prinzip spielt es auch keine Rolle ob ich allein zurück fahre, oder ob jemand mitfährt. Es kann aber nicht angehen, dass Jane mit Leanna zu Herrn Koy fährt und ich sie dann dort wieder abholen soll, weil ihr die Kosten für die Zugfahrt zu hoch sind. Um meine Tochter zu sehen würde ich wohl fast überall hinfahren, aber unter diesen Umständen ganz sicher nicht für Jane. Denn dann hätte Janosch mit seiner "Hampelmanntheorie" wirklich Recht. Andererseits wollte ich Leanna sehen. Wie so oft bot ich Jane einen Kompromiss an. Sie sollte sich zu 50 % an den Fahrtkosten beteiligen. Dann hätte ich meine Tochter sehen können und Jane wäre günstiger als mit der Bahn nach Hause gekommen. Sie war einverstanden. Da ich aber mit Janes Umgang mit Versprechen und Zahlungsgewohnheiten vertraut war, bestand ich auf Zahlung vor der Abfahrt in Wesnafurt. Zur Antwort bekam ich, dass sich der Termin verschiebt.

Per SMS wurden mir zwei Ersatztermine angeboten. Am folgenden Mittwoch von 15:00 - 18:00 Uhr, oder eine Woche später am Sonntag dem 30.09.2001 von 14:00 - 19:00 Uhr. Darauf hin schickte ich eine E-Mail an Herrn Koy.

..."Hiermit akzeptiere ich den Ersatztermin am Sonntag, dem 30.09.2001. Gewünschter Zeitraum wie das letzte Mal 14:00 - 19:00 Uhr. Außerdem verlange ich eine Bescheinigung des behandelnden Arztes aus der schlüssig hervorgeht, warum der Termin am 23.09. nicht stattfinden konnte." ...

Die Antwort:

..." möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Sie nicht berechtigt sind, eine Bescheinigung des Arztes zu verlangen, Sie können allerhöchstens um eine "Bitten" und ansonsten wenn Sie etwas "VERLANGEN" möchten so setzten Sie Sich bitte mit meinem Anwalt in Verbindung." ...

Meine Antwort darauf:

..."Fakt ist, dass mir der Termin 23. 9. mit der Begründung "krankes Kind" verwehrt wurde. Deswegen verlange ich eine Bescheinigung des behandelnden Arztes aus der schlüssig hervorgeht, warum der Termin am 23.09. nicht stattfinden konnte. Wird mir eine solche beim nächsten Besuch nicht vorgelegt, muss ich davon ausgehen, dass das Kind entweder nicht krank ist, oder, was noch schlimmer wäre, krank ist und nicht behandelt wird." ...

Einige Tage später erhielt ich einen Hinweis wonach sich Jane und Leanna nun doch zu Hause aufhalten. Offensichtlich war die Heimfahrt auch ohne Geld und trotz krankem Kind möglich gewesen. Wie in den Wochen zuvor waren jedoch an ihrer Wohnung auch tagsüber alle Rollläden geschlossen. Nichts deutete darauf hin, dass jemand zu Hause wäre. Nachdem auf Klingeln nicht reagiert wurde hatten andere Verwandte einfach mal den Rollladen am Wohnzimmerfenster hochgeschoben. Hinter dem Fenster fanden sie Leanna vor dem Fernseher sitzend. Erst dann sei Jane aufgetaucht, sie hätte geschlafen und kein Klingeln gehört.

In diesen Wochen stand ich mehrmals in Kontakt mit Herrn Jansen. Auch machte ich ihn auf die nicht geheizte Wohnung ohne warmes Wasser aufmerksam. Bei einem meiner letzten Kontakte zu Leanna konnte ich bei ihr starke Karies feststellen. Auch darüber informierte ich ihn. Obwohl seit meinem Antrag auf Sorgerechtsänderung schon mehrere Wochen vergangen waren, war Herr Jansen vom Gericht noch nicht angeschrieben worden. Er gab mir bereits im Vorfeld zu verstehen, dass er einen solchen befürworten würde, sollte ich ihn stellen. Schließlich war er mit Janes Lebenswandel seit ihrer Jugend bestens vertraut. Er konnte aber, so lange er vom Gericht nicht dazu aufgefordert wurde, keine Stellungnahme abgeben.

Nachdem ich erfahren hatte, dass sich Jane und Leanna zu Hause aufhalten, rief ich Jane an und bat um einen Umgang mit Leanna. Sie antwortete mir, dass Leanna dazu immer noch zu krank sei und ich mich ja sowieso für den kommenden Sonntag als Besuchstag entschieden hätte. Wo der Umgang sonntags stattfinden sollte, konnte sie mir allerdings nicht sagen. Daraufhin suchte ich Herrn Jansen auf und setzte ihn über den aktuellen Stand der Dinge in Kenntnis. Ich forderte ihn auf, sich meine Tochter und ihre Unterkunft etwas genauer anzusehen. Dies lehnte er ab. Als Begründung nannte er, dass er in dieser Woche dazu keine Möglichkeit hätte. Er käme frühestens in der folgenden Woche während seines Außendienstes wieder in diese Gegend. Meinen Einwand, dass dann Mutter und Kind wahrscheinlich wieder für Wochen verschwunden sind, beantwortete er mit einem Achselzucken, da kann man halt nichts machen. Aber ich könne ja versuchen noch am gleichen Tag bis 16:00 Uhr oder am kommenden Montag meine Tochter bei ihm vorbei zu bringen, dann würde er sich das Kind anschauen.

Freitags erhielt ich eine SMS von Jane. Danach sollte der Umgang am Sonntag, dem 30.09.2001 wieder in Wesnafurt stattfinden. Ich erschien pünktlich zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort, dieses Mal jedoch ohne Begleiter. Jane übergab mir Leanna. Trotz ausdrücklicher Nachfrage konnte mir die ärztliche Bescheinigung nicht vorgelegt werden. Stattdessen verwies sie mich an Herrn Lustig. Nachdem Jane verschwunden war und ich Leanna in meinem Auto angeschnallt hatte, sagte ich zu ihr: "Und nun fahren wir zur Oma." Sie reagierte überrascht, aber erfreut.

Es war zwar anzunehmen, dass Janes Aktionen der letzten Tage als reine Schikane zu werten sind, Leanna machte auf mich einen völlig gesunden Eindruck. Es war aber auch nicht auszuschließen, dass das Kind tatsächlich krank ist und nicht behandelt wird. Wenn mit Leanna wirklich etwas nicht in Ordnung sein sollte, wäre ich dann unter diesen Umständen nicht für eventuelle Folgen mit verantwortlich? Würde ich aber Leanna ohne wichtigen Grund einfach nicht zurückbringen, riskierte ich ein nicht unerhebliches juristisches Problem. Man könnte dies als Straftat auslegen, es wäre die erste in meinem Leben. Auch mit Frau Kalinka habe ich über diese Problematik gesprochen. Sie gab mir darauf hin ihre Privat- und ihre Handynummer, für alle Fälle... Die Entscheidung lag bei mir.

Nachdem mir bei der Übergabe keine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden konnte, hatte ich mich entschieden. Die Gesundheit meiner Tochter war mir wichtiger als ein eventuelles juristisches Problem.

Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt erreichte ich gegen 19:30 Uhr die für meinen Wohnort zuständige Polizeidienststelle. Zusammen mit Leanna betrat ich das Gebäude. Ich legte den anwesenden Beamten meinen Personalausweis vor und schilderte ihnen die Situation. Da mit Gegenmaßnahmen Janes zu rechnen war, wollte ich die hiesige Polizei schon vorher informieren, dass es sich hierbei nicht um eine gewaltsame Kindesentführung o. ä. handelt. Mein Gesprächspartner war Herr Immergrün. Offensichtlich war man von der unkonventionellen Vorgehensweise etwas irritiert. Ich erklärte den Beamten, dass ich am kommenden Tag das Jugendamt aufsuchen würde um das weitere Vorgehen zu besprechen. Daraufhin sah man offensichtlich keinen Handlungsbedarf. Schließlich erweckte auch Leanna nicht den Eindruck als sei sie gegen ihren Willen hier, im Gegenteil. Nach dem Verlassen des Gebäudes klingelte mein Handy. Laut Displayanzeige kam der Anruf von Herrn Koy. Ich habe ihn nicht entgegen genommen. Was hätte ich dem Mann auch sagen sollen.

Gegen 19:45 Uhr erreichten wir meine Wohnung. Gleich nach meiner Ankunft schickte ich eine E-Mail an Herrn Koy:

..."Habe heute ****-**** in meine Obhut genommen. Es besteht der dringende Verdacht, dass das Kind an einer sehr seltsamen Krankheit leidet und nicht behandelt wird. Hinweise:

Deswegen sah ich mich gezwungen ****-**** heute in meine Obhut zu nehmen. Bis zur Klärung des o. g. Sachverhalts, oder einer anders lautenden behördlichen Anordnung werde ich sie in meiner Obhut belassen.

Sie kann zu den üblichen Tageszeiten unter folgenden Nummern angerufen werden"...

Um sicher zu stellen, dass Jane diese E-Mail gleich erhält, habe ich sie in einer zusätzlichen SMS darauf hingewiesen. Danach habe ich mein Handy und meine Telefonanlage abgeschaltet. Für den Rest des Abends waren weder ich noch meine Eltern erreichbar. Nach dem gemeinsamen Abendessen legte ich Leanna in ihr Bettchen. Nach dem langen Tag schlief sie gleich ein.

Gegen 22:30 Uhr klingelte es und klopfte an der Tür. Zwei Polizeibeamte standen davor. Sie hätten einen Anruf der Polizei in Wesnafurt erhalten. Man hätte erfolglos versucht mich telefonisch zu erreichen und bat nun um einen Rückruf. Die Beamten gaben mir einen Zettel mit einer Nummer die ich anrufen sollte, dann gingen sie wieder.

Ich schaltete meine Telefonanlage ein und rief an, mein Gesprächspartner dort war Herr Armelt. Das Gespräch verlief etwa so:

G. E. :

Hallo Herr Armelt, sie hatten um einen Anruf gebeten, was kann ich für Sie tun?

H. Armelt:

Ich hatte versucht Sie anzurufen. Da war aber ständig besetzt, deswegen habe ich Ihnen den Streifenwagen geschickt.

G. E. :

Ich hatte meine Telefonanlage abgeschaltet.

H. Armelt:

Uns liegt hier eine Meldung vor wonach sie Ihre Tochter entführt hätten.

G. E. :

Das könnte man so auslegen.

H. Armelt:

Was können Sie mir denn dazu sagen?

G. E. :

Haben Sie die von mir geschickte E-Mail gelesen?

H. Armelt:

Ja, die liegt mir vor.

G. E. :

Nun dann wissen Sie ja im Wesentlichen Bescheid.

H. Armelt:

Wie stellen Sie sich denn vor, wie das nun weitergehen soll?

G. E. :

Ich beabsichtige morgen das zuständige Jugendamt aufzusuchen. Mit denen werde ich dann das weitere Vorgehen besprechen. Ich bin grundsätzlich bestrebt, das ganze im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten abzuwickeln und mit dem Jugendamt und/oder sonstigen Behörden zusammen zu arbeiten. Sonst hätte ich Sie jetzt nicht angerufen.

H. Armelt:

Welches Jugendamt, wen wollen Sie aufsuchen, wann haben Sie einen Termin?

G. E. :

Zuständig ist das Kreisjugendamt in Königsleisern, mein Ansprechpartner ist Herr Jansen, einen Termin habe ich nicht. Herr Jansen hatte mir aber zugesagt, dass er am Montag den ganzen Tag da ist. Da könne ich auch meine Tochter vorbei bringen.

H. Armelt:

Wie bitte, können Sie den letzten Satz bitte wiederholen?

G. E. :

Ja, ich könne am Montag mit meiner Tochter vorbei kommen, dann würde er sie sich ansehen.

H. Armelt:

Wann hat er Ihnen das gesagt?

G. E. :

Letzten Mittwoch, als ich bei ihm war.

H. Armelt:

Was hätten Sie davon gehalten die ganze Angelegenheit auf regulärem Wege zu regeln, anstatt eine solche Aktion zu starten? Sie wissen doch hoffentlich auf was Sie sich da eingelassen haben?

G. E. :

Ja, ich kann Ihnen versichern, ich weiß was ich tue. Ich habe bereits vor zwei Monaten beim Gericht einen Antrag auf Änderung des Sorgerechts eingereicht, bis heute ist jedoch nichts passiert. Da ich nach meinem derzeitigen Kenntnisstand nicht ausschließen kann, dass meine Tochter krank ist und nicht behandelt wird, kann ich nicht warten, bis alle ausgeschlafen haben. Deswegen habe ich mich für diese Vorgehensweise entschieden.

H. Armelt:

Bei welchem Gericht? Wann haben Sie den Antrag gestellt?

G. E. :

Zuständig ist das Amtsgericht in Meersbank. Die Antragstellung liegt nun schon etwa zwei Monate zurück. Fragen Sie mich jetzt nicht nach einem genauen Datum oder Aktenzeichen. Dazu müsste ich jetzt die Akten suchen, dabei könnte meine Tochter aufwachen und Sie könnten das im Moment eh nicht überprüfen. Bis zum heutigen Tage ist, außer dass die schon zweimal kassiert haben, nichts passiert. Die waren bis jetzt noch nicht mal in der Lage das Jugendamt oder die Gegenseite wegen einer Stellungnahme anzuschreiben. Die kriegen auf gut deutsch den A... nicht hoch.

H. Armelt:

Ja, wem sagen Sie das...

G. E. :

Ach, Sie kennen das Problem...?

H. Armelt:

Ja, aber was sollten wir Ihrer Meinung nach tun, wenn die Kindesmutter nachher wieder kommt und auf eine Anzeige besteht? Wenn wir die nicht aufnehmen, laufen wir morgen in Zivil herum.

G. E. :

Walten Sie Ihres Amtes, tun Sie was Sie tun müssen, ich mache es auch nicht anders. Bei der Kindesmutter rechne ich mittlerweile grundsätzlich immer mit dem Schlimmsten. Wenn es dann nur halb so schlimm kommt, bin ich angenehm überrascht. Wenn die Dame auf einer Anzeige besteht, nehmen Sie sie eben auf. Wenn sie sonst noch ein Problem hat, möge sie sich mit meiner Anwältin in Verbindung setzen.

H. Armelt:

Hat sie die Adresse?

G. E. :

Ja, die hat sie.

H. Armelt:

Sind Sie sicher?

G. E. :

Ja, ich bin sicher, denn es gab ja schon einige Gerichtsverfahren in der Vergangenheit und meine Anwältin ist immer noch die Gleiche.

H. Armelt:

Ok, ich werde ihr alles so mitteilen, dann werden wir weitersehen.

G. E. :

Wenn Sie noch weitere Fragen haben, wissen Sie ja, wo Sie mich erreichen, aber bitte erst tagsüber.

Nach dem Gespräch schaltete ich meine Telefonanlage wieder ab.

Am nächsten Morgen wurde ich gegen 7:30 Uhr von Leanna geweckt. Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Jugendamt. Vor der der Abfahrt schaltete ich meine Telefonanlage wieder ein. So waren zumindest meine Eltern erreichbar. Mein Handy nahm ich mit, ließ es jedoch noch abgeschaltet.

Gegen 8:30 Uhr erreichten wir das Jugendamt, gegen 9:15 Uhr empfing uns Herrn Jansen. Er war bereits informiert. Irgendwie wirkte er auf mich an dem Tag etwas nervöser als sonst. Das erste was er sagte war: "Ich habe nicht zu Ihnen gesagt, dass Sie Ihre Tochter entführen sollen." Ich antwortete ihm: "So habe ich das auch nicht verstanden. Sie sagten: ,Bringen Sie sie am Montag vorbei, dann sehe ich sie mir an.' Nun, heute ist Montag und da ist sie." Er fragte Leanna, ob es ihr beim Papa gefällt, sie bejahte. Nun sah er sich auch Leannas Zähne an, die ungenügende Pflege war offensichtlich. Auf meine Frage, was er diesbezüglich zu unternehmen gedenke antwortete er, er werde nun die Mutter ermahnen mit dem Kind zum Zahnarzt zu gehen. Auf meine Frage, was denn wäre, wenn ich mit Leanna zum Zahnarzt ginge antwortete er, nur in Notfällen hätte der Vater ein Vertretungsrecht. Nun, für mich handelte es sich hier eindeutig um einen Notfall. Ich verabschiedete mich und machte mich mit meiner Tochter auf den Weg zu einem Zahnarzt.

Gegen 10:15 Uhr hatte ich mit Leanna Dr. Dubeil erreicht. Da standen wir nun, ohne Termin und ohne Versicherungskarte für Leanna. Hier wollte man uns erst mal einen Termin geben. Darauf hin habe ich der Dame die Situation geschildert. Ich erklärte ihr, dass ich im ungünstigsten Fall möglicherweise so schnell überhaupt keinen Termin mehr wahrnehmen könnte. Mittlerweile war auch Dr. Dubeil dazu gekommen. Nach einem kurzen Blick auf Leannas Zähne, bat man uns im Wartezimmer Platz zu nehmen. Man wollte uns dazwischen schieben. Gegen 11:00 Uhr wurden wir ins Behandlungszimmer gebeten. Die Untersuchung ergab, dass mehrere Zähne "kariös und deshalb behandlungsbedürftig" sind. Man fragte mich was nun getan werden sollte, gleich behandeln oder einen neuen Termin vereinbaren. Ich wies Dr. Dubeil auf die derzeitige Situation hin und sagte ihm, dass ich möglichst schnell ein Attest über den Zustand der Zähne meiner Tochter benötige. Dr. Dubeil versprach mir, es noch in derselben Woche fertig zu machen. Ich erinnerte ihn noch mal an die Situation und fragte ihn, ob es denn nicht früher ginge. Er versprach, es noch am gleichen Tag zu erledigen, ich könne es später abholen. Ich sagte ihm, dass ich dann vielleicht schon verhaftet wäre, ob ich denn nicht darauf warten könnte. " Ok, ich mach's gleich fertig." war seine Antwort. Die Kosten für die Untersuchung wurden nach dem Ausfüllen einiger Formulare von meiner Krankenkasse übernommen. Das Attest bezahlte ich selbst.

Mittlerweile war es Mittag geworden. Der Besuch beim Jugendamt war erledigt, das Attest hatte ich auch. Erst jetzt schaltete ich mein Handy wieder ein und suchte mit Leanna erneut die Polizeidienststelle auf. Hier hatte gerade ein Schichtwechsel stattgefunden und wir standen den gleichen Beamten gegenüber wie am Abend zuvor. Man war überrascht uns so schnell wieder zu sehen. Ich sagte, dass ich mich einfach nur mal melden wollte, es könnte ja sein, dass sie mittlerweile nach mir suchen. Ich konnte ja nicht wissen, was Jane in der Zwischenzeit unternommen hat, ob nun eine Anzeige vorliegt oder nicht. Falls ja, ob deswegen nach mir gesucht wird oder welche Konsequenzen sich sonst für mich daraus ergeben. Herr Immergrün sagte, dass hier nichts gegen mich vorliegt und ich beruhigt mit meiner Tochter nach Hause fahren könnte. Das taten wir dann auch.

Nach dem Mittagessen setzte ich mich mit Frau Kalinka in Verbindung. Ich informierte sie über den aktuellen Stand der Dinge. Sie riet mir, auf jeden Fall auch ein Attest über Leannas allgemeinen Gesundheitszustand einzuholen, auch dann wenn das Kind noch so gesund erscheint. Nur dann könnten wir belegen, dass Jane dem Umgang am 23.09. grundlos verweigert hat. Endlich hatte sie nun auch vom Amtsgericht einen "Termin zur mündlichen Verhandlung" erhalten. Die Verhandlung sollte am 09.11.2001 stattfinden, wieder sollten Wochen vergehen bis etwas getan wird. Nachdem Herr Lustig gedroht hatte die Herausgabe meiner Tochter mit einer einstweiligen Verfügung zu erzwingen, empfahl Frau Kalinka, dass ich Leanna zu Jane zurück bringe. Auch wenn alles andere lange dauert, in solchen Dingen wären die Gerichte dann plötzlich sehr schnell. Begeistert war ich von dem Gedanken nicht. Wenn sich aber in dem Attest heraus stellt, dass Leanna gesund ist, gäbe es auch keinen objektiven Grund sie hier zu behalten. So antwortete ich Frau Kalinka: "Teilen Sie der Gegenseite mit, dass ich jederzeit bereit bin meine Tochter zurück zu geben. Ich bin jederzeit bereit Jane das Kind an ihrer gemeldeten Wohnung zu übergeben."

Auch Frau Schwarz vom Kinderschutzbund hatte sich gemeldet. Sie wollte sich davon überzeugen, dass Leanna sich bei ihrem Papa wohl fühlt. Nichts lieber als das, wir vereinbarten einen Termin.

Den Rest des Tages hatte Leanna mit den Kindern meiner Schwester gespielt. Auch sie haben sich gefreut mit ihrer Cousine spielen zu dürfen, die sie leider viel zu selten sehen können.

Dienstags wurde ich wieder von meiner Tochter geweckt. Es ist einfach schön wenn die Kleine aus ihrem Bettchen klettert, zu mir kommt und sagt: "Papa komm, steh auf, es ist gar nicht mehr dunkel." Nach dem Frühstück suchten wir die Ärztin auf, zu der auch Jane immer mit Leanna gegangen ist, Frau Gilet. Die Untersuchung ergab, dass "keine akuten oder chronischen Erkrankungen" bestehen. Noch während ich auf die Ausfertigung des Attests wartete, erhielt ich einen Anruf von Frau Kalinka. Sie sagte mir dass Jane mit dem Zug unterwegs sei und ich Leanna um 13:15 Uhr am Bahnhof in Meersbank abgeben möge.

Zurück an meiner Wohnung sagte ich zu Leanna: "Heute Nachmittag kommt die Mama und nimmt dich wieder mit." Die spontane Antwort hat auch mich überrascht: "Ich will hier bleiben Papa, hier bei dir. Ich will nicht wieder mit der Mama wegfahren." Leider gibt es niemand der dieses Gespräch bezeugen könnte.

Gleich danach rief ich Frau Schwarz an. Ich teilte ihr mit, dass wir den Termin nicht einhalten können, da die Rückgabe Leannas früher als erwartet stattfinden sollte. Ich war aber auch daran interessiert, dass eine neutrale Vertrauensperson sich davon überzeugen konnte, wie wohl sich Leanna bei ihrem Papa fühlt. Deswegen bat ich sie bei der Übergabe am Bahnhof dabei zu sein. Wir vereinbarten ein Treffen um 13:00 Uhr am Bahnhof. Frau Schwarz konnte nun sehen, dass es Leanna gut geht. Leanna hat ihr auch gesagt, dass es ihr bei ihrem Papa gefällt. Dass sie nicht mit der Mama wegfahren will hat sie nicht wiederholt, leider.

Ca.13:20 Uhr, der Zug rollt ein, Jane betritt die Bahnhofshalle, nimmt sich Leanna und verschwindet, die Aktion ist beendet.
Die Anderen nannten es Entführung.

Eine Woche später wurde von Herrn Lustig ein ärztliches Attest nachgereicht. Danach hätte Leanna an Bronchitis und Rhinitis gelitten, eine simple Erkältung. Auch interessant ist, dass das Attest laut Aufdruck am Montag, dem 24.09. von einem Kinderarzt in Meersbank ausgestellt wurde, also nachdem das Kind von Jane durch halb Deutschland geschleppt wurde. Ob Leanna schon bei Janes Anruf am Samstag krank war, geht daraus nicht hervor. Selbst wenn sie es gewesen wäre, hat es Jane nicht davon abgehalten, dem Kind die lange Bahnfahrt zuzumuten, ein Umgang hätte aber nicht möglich sein sollen.

Einige Tage danach setzte ich mich noch einmal mit der Polizei in Wesnafurt in Verbindung. Das Vorliegen einer Anzeige konnte man nicht bestätigen. Es gebe lediglich einen Bericht über diesen Vorfall der an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurde. Bis zum heutigen Tage hat sich jedoch diesbezüglich weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft bei mir gemeldet.

Erst jetzt erfuhr ich, dass gar nicht ich nach Wesnafurt fahren müsse, um meine Tochter zu sehen. Laut Elternvereinbarung war Jane verpflichtet mir Leanna an ihrer Wohnung zu übergeben. Ihre Wohnung befand sich aber in der Verbandsgemeinde Meersbank. Obwohl Frau Kalinka die Gegenseite ausdrücklich auf diesen Umstand hingewiesen hatte, verweigerte Jane den Umgang erneut mehrere Male. Als Begründung gab sie an, sie hätte kein Geld um heim zufahren.

Ungewöhnliche Kontakte, 3. Teil

Im Oktober 2001 trat ich dem bundesweit tätigen Verein "Väteraufbruch für Kinder" bei. Dieser setzt sich für die Rechte von Vätern und Kindern ein. Gefunden hatte ich im Internet, wo er sich unter www.vafk.de präsentiert. Meinen Beitritt gab ich unter anderem durch einen Eintrag im Gästebuch auf dessen Webseite bekannt. Ich war ziemlich überrascht, ausgerechnet hier Herrn Koy wieder zu treffen. Auch er hatte sich bereits im Gästebuch eingetragen. Nun entwickelte sich erneut ein Dialog zwischen Herrn Koy und mir, diesmal allerdings nicht per E-Mail, sondern im öffentlichen Gästebuch. Hier äußerte ich mich erstmals zu Janes Vergangenheit. Eine zeitlich geordnete Zusammenstellung der interessantesten Einträge befindet sich im Anhang 2 dieses Buches.

Parental Alienation Syndrome, PAS

Nach dem Jane den Umgang mehrere Wochen verweigert hatte, konnte ich Leanna erst Ende Oktober wieder an ihrer Wohnung abholen. War Leanna noch einen Monat zuvor ganz begeistert bei ihrem Papa zu sein, machte sie nun einen völlig verstörten Eindruck. Wenn ich vorher zu ihr gesagt habe: "Papa hat dich lieb" , gab sie zur Antwort: "Ich hab dich auch lieb, Papa" . Sie hatte ihren Papa so lieb, dass sie sogar lieber bei ihm bleiben wollte, als mit ihrer Mama wieder weg zu fahren. Wenn ich nun zu ihr sagte: "Papa hat dich lieb" , gab sie zur Antwort "Das stimmt nicht, du bist nicht lieb, du bist böse" . Meine Frage, warum der Papa böse ist, konnte das dreijährige Kind nicht beantworten. Auf die Frage: "Wer hat denn gesagt, dass der Papa böse ist?" , kam die Antwort sofort: "Meine Mama hat das gesagt, du bist böse."

Dieses Verhalten wird in einem Buch des amerikanischen Kinderpsychiaters Prof. Dr. Richard A. Gardner unter der Bezeichnung, "Parental Alienation Syndrome" , abgekürzt "PAS" beschrieben. Unter dem Titel, "Das elterliche Entfremdungs-Syndrom" ist dieses Buch mittlerweile auch in Deutschland erschienen. Laut Prof. Dr. Gardner ist dieses Verhalten das Ergebnis einer gezielten Manipulation des Kindes durch den sorgeberechtigten Elternteil. In solchen Fällen rät Prof. Dr. Gardner dem Gericht meist zu einer Übertragung des Sorgerechts auf den entfremdeten Elternteil. In den USA und Kanada wird dieser Empfehlung auch immer häufiger entsprochen. Deutschland ist hier leider noch Entwicklungsland.

Mittlerweile war es Ende Oktober. Da Janes Wohnung mangels Heizöl ungeheizt war, hielt sie sich mit Leanna bei ihren Eltern auf. Diese besuchte ich nun regelmäßig, so konnte ich auch Leanna sehen. Auch hier wurde deutlich, dass das Kind manipuliert wurde. Wenn ich die Wohnung betrat, versteckte sich Leanna unter dem Tisch oder hinter Möbelstücken. Dabei sagte sie: "Papa ist böse, ich habe vorm Papa Angst." Auch von Janes Eltern ließ sich das Kind nicht beruhigen. Auch ihnen gegenüber hat sie mehrfach wiederholt, dass ihr ihre Mama das gesagt hätte. Es war nicht zu übersehen, dass dieses Verhalten vor allem dann auftrat, wenn Jane in der Nähe war. Wenn ich mich mit meiner Tochter alleine im Zimmer befand, war alles nur noch halb so schlimm. Gemeinsam beschlossen wir, dass Leanna an zwei Tagen mit einer Übernachtung zu mir kommt. Jane war natürlich dagegen, konnte aber wegen kalter Wohnung auch nicht einfach mit dem Kind heimgehen. Als wir Leanna in mein Auto setzten schrie sie zuerst, wir haben es dennoch getan. Als das Haus außer Sichtweite war, war alles in Ordnung, plötzlich war auch der Papa wieder lieb. Das war er für den Rest des Tages und auch am folgenden Tag.

Fast zum Schmunzeln war was sich dann ereignete. Am Tag darauf hatte ich Janes Eltern und auch Jane in meine Wohnung zum Essen eingeladen. Danach sollten sie Leanna wieder mit nach Hause nehmen. Auch Janes Bruder Sören und seine Freundin Ina waren mitgekommen. Nachdem alle eingetroffen waren, fragte ich Leanna: "Na, ist der Papa jetzt immer noch lieb?" Nach kurzer Überlegung kam die Antwort: "Ja, aber nur heute, morgen nicht mehr." Wäre die gesamte Situation nicht so ernst, man hätte darüber schmunzeln können.

Nicht nur ich hatte den Eindruck, dass es Leanna an diesem Abend besonders gut ging. Als alle da waren ging Leanna ein Stockwerk höher um auch meine Eltern zu holen. Sie ließ nicht eher locker, bis auch mein Vater mitkam. " Opa du musst auch kommen, die Andern sind auch alle da." In dieser Runde schien sich Leanna so richtig wohl zu fühlen. Sie wanderte von einem Schoß zum anderen und ließ sich von jedem gerne halten. Jane saß wortkarg mittendrin und drängte zur Heimfahrt, sie hätte Kopfweh. Eine ihr angebotene Schmerztablette lehnte sie ab.

Nach dieser Woche kehrte Jane in ihre Wohnung zurück. Diese beheizte sie nun provisorisch mit Elektrolüftern.

Während dieser Zeit hatte ich noch zweimal versucht mit Jane ein konstruktives Gespräch über eine zukünftige Umgangsregelung, bzw. die Zukunft unserer Tochter zu führen. Beim ersten Mal sagte ich ihr ausdrücklich, dass ich ihr prinzipiell nicht im Weg stehe, auch nicht in ihrer Beziehung zu Herrn Koy. Mein einziges Ziel ist es, dass unsere Tochter einen vernünftigen Umgang mit all ihren Verwandten haben kann, sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits. Leanna sollte in geordneten Verhältnissen in der ihr vertrauten Umgebung aufwachsen können. Ich habe Jane auch gesagt, dass ich für das Wohl und die Zukunft unserer Tochter kämpfen werde. Wenn dies bedeutet, dass ich gegen sie kämpfen muss werde ich es tun, ich würde es jedoch bedauern. Noch wäre es möglich gewesen das Gerichtsverfahren zu Gunsten einer gütlichen Einigung zu stoppen. Ihre Antwort erhielt ich wenige Tage später in Form des Schriftsatzes der Gegenseite an das Gericht. Jedes weitere Gespräch hatte sie abgelehnt. Als Begründung nannte sie, ihr Anwalt hätte ihr verboten mit mir über den Fall zu sprechen. Einen Satz gab ich ihr dennoch mit auf den Weg: "Ich kämpfe für das Wohl unserer Tochter, du kämpfst nur für dein eigenes!"

Nun forderte Frau Kalinka das Gericht auf, sich einmal etwas ausführlicher mit Janes Lebenswandel sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart zu beschäftigen. Auch Herr Jansen sprach sich bis zuletzt für einen Verbleib Leannas in ihrer vertrauten Umgebung aus. Schließlich ist er es, der mit Janes Lebenswandel am Besten vertraut ist.

Familiengericht, 3. - 4. Teil (Amtsgericht Meersbank)

Am 09.11.2001 fand endlich die lang erwartete Gerichtsverhandlung statt. Den Vorsitz hatte Richter Sauerkraut. Das seit April 2001 schwebende Verfahren und mein Antrag auf Sorgerechtsänderung vom August 2001 wurden jetzt zusammengefasst. In dem Schriftsatz der Gegenseite wurde mir vorgeworfen, dass ich Herrn Koy mit E-Mails bombardiert hätte. Außerdem hätte ich die Absicht, mich mit meiner Tochter ins Ausland abzusetzen. Um zu belegen, dass es sich bei meinem E-Mail-Kontakt zu Herrn Koy um einen Dialog handelte, erschien ich mit Laptop und Drucker zu der Verhandlung. Ein Aufbau der Geräte war jedoch nicht erforderlich. Den völlig aus der Luft gegriffenen Vorwurf, dass ich mich mit Leanna ins Ausland absetzen wolle, kann ich nur als interessante Idee bezeichnen.

Frau Kalinka hatte zwei Anträge gestellt. Im ersten wurde beantragt den Umgang alle 14 Tage auf das ganze Wochenende von Freitag bis Sonntag auszuweiten. Im zweiten wurde die Änderung des Sorgerechts beantragt. Dies wurde mit Janes Lebenswandel sowohl in der Gegenwart als auch der Vergangenheit begründet. In diesem Zusammenhang hatte Frau Kalinka auch einen Antrag auf "Einholung eines Sachverständigengutachtens über Janes Erziehungsfähigkeit" gestellt. Ebenso sollten weitere Zeugen, die Janes Lebenswandel bestätigen können, geladen werden.

Herr Jansen, der mit Janes Werdegang ebenso wie mit ihrer immer wiederkehrenden Umgangsvereitelung vertraut ist, wurde von unserer Seite als Hauptzeuge benannt. Schließlich war er es der mir riet einen solchen Antrag zu stellen. Dies sollte sich jedoch als fataler Fehler herausstellen. Als er von Richter Sauerkraut befragt wurde, fiel er um wie ein nasser Waschlappen. Noch wenige Tage vor der Verhandlung äußert er gegenüber Frau Kalinka, dass er "bei einem Wegzug Janes mit dem Kind und in Verbringung in fremde Umgebung, das Kindeswohl gefährdet sehe. Jane sei ohne ihre Eltern nicht oder nur sehr eingeschränkt erziehungsfähig." Nun hatte er einen laschen Bericht abgeliefert und bei der Befragung durch Richter Sauerkraut war plötzlich alles überhaupt nicht mehr so schlimm. Es würde zwar "eine dicke Akte" über Jane existieren, man hätte auch gewisse Bedenken, aber nicht in ausreichendem Maße um einem Sachverständigengutachten über Janes Erziehungsfähigkeit zu zustimmen. Auch gegen einen Wegzug hatte er plötzlich keine Einwände mehr. Was bei Herrn Jansen einen so radikalen Sinneswandel ausgelöst hatte, darüber kann ich nur spekulieren. Fakt ist, dass er für Jane bereits während ihrer Kindheit zuständig war, dennoch landete sie auf dem Strich.
Sollte zu Janes Vergangenheit etwa doch noch "Klärungsbedarf" bestehen?
Hatte er vielleicht damals schon nichts getan, wo er etwas hätte tun müssen?
Hat er heute etwa selbst ein Interesse daran, dass diesbezüglich nicht zu viel Staub aufgewirbelt wird?
Oder sollte gar sein Verhältnis zu Jane in "einem ganz anderen Licht" zu betrachten sein?
Jane hatte vor Gericht bekannt gegeben, dass sie auf jeden Fall wegziehen wolle. Dies hätte nichts mit ihrer Beziehung zu Herrn Koy zu tun. Es lässt sich nicht leugnen, dass es für Herrn Jansen kaum eine einfachere Möglichkeit gegeben hätte, einen so "unbequemen Kunden" los zu werden und Leanna ist ja nicht seine Tochter.
Für andere Zeugen die Janes Lebenswandel hätten bestätigen können, interessierte sich das Gericht nicht.

Im Ergebnis der Verhandlung wurde die von unserer Seite beantragte Erweiterung des Umgangs in vollem Umfang gewährt. Die Entscheidungsverkündung zur die Änderung des Sorgerechts wurde vertagt. Man legte unserer Seite nahe den Antrag zurück zu ziehen. Da Jane den ganzen Dezember bis in den Januar verreisen wollte, bat man uns bezüglich des Umgangs einen Kompromiss an. Leanna sollte Ende November eine ganze Woche zu mir kommen, dafür sollte ich sie im Dezember und auch an Weihnachten nicht sehen. Nachdem man mir noch eine ganze Woche Anfang Januar zusagte, willigte ich ein.

Da die Verhandlung an einem Freitagnachmittag stattfand, konnte ich Leanna gleich mitnehmen. Zu Hause angekommen sendete ich eine Kurzinfo per E-Mail an mehrere Freunde und Bekannte, die das Geschehen in den letzten Monaten mit verfolgt hatten. Ich konnte mir nicht verkneifen auch eine Kopie an Herrn Koy zu senden, schließlich hatte er irgendwann einmal geäußert, dass auch er über den Ausgang des Verfahrens informiert werden wollte.

..."nach ca. 90 minütiger Verhandlung steht nun vorläufiges Ergebnis:

  1. Das bisherige Umgangsrecht wird erweitert. Alle zwei Wochen ist die Kleine von Freitag bis Sonntag bei mir. Dies gilt, solange sich Mutter und Kind hier aufhalten. Im Falle eines Wegzugs wird erneut verhandelt. Eine ganze Woche pro Monat steht im Raum. Für Dezember 2001 besteht eine Sonderregelung. Mutter und Kind fahren nach *****, dafür bekomme ich das Kind eine ganze Woche Ende November, und eine ganze Woche Anfang Januar.
  2. Übertragung des Sorgerechts. Es bestehen zwar seitens des Jugendamts Bedenken, aber keine ausreichenden Gründe um der Mutter das Sorgerecht zu entziehen. Ich habe die Möglichkeit meinen Antrag diesbezüglich zurückzuziehen, oder darauf zu bestehen. Bei einem Rückzug bin ich der Dumme, wenn dem Kind in der Fremde was passiert. Wenn ich weiter darauf bestehe, wird er vom Gericht abgelehnt, aber Gericht und Jugendamt haben den schwarzen Peter, wenn was passiert. Also bestehe ich darauf.
  3. Meine Vorwürfe bezüglich der Vergangenheit der Mutter. Eine schriftliche Bestätigung der Details gibt es zurzeit nicht. Das Jugendamt hat jedoch mündlich bestätigt, dass die Vorwürfe stimmen, und dass eine "dicke Akte" diesbezüglich besteht. Trotzdem reichen die daraus resultierenden Bedenken nicht aus, um der Mutter das Sorgerecht zu entziehen.

Das war's auf die Schnelle, ich geh jetzt wieder offline, habe mich um meine Tochter zu kümmern." ...

Am 20.11. erhielt ich das Protokoll der Sitzung. Hier einige Auszüge:

..."Der Antragsgegner erklärt:
Auch wenn heute beispielsweise die nicht adäquate Verwendung des Heizkostenvorschusses in den Raum gestellt wird, kann ich das nur bestreiten. Der Antragsteller weiß genau, dass für die Zeit, in der kein Heizöl vorhanden war, meine Mandantin mit dem Kind bei ihren Eltern gewohnt hat.
Was die Vorwürfe bezüglich der Vergangenheit betrifft, muss ich bestreiten, dass diesbezüglich irgendwelche Unterlagen überhaupt vorhanden sind.
Seit ****-**** auf der Welt ist, hat meine Mandantin in keinster Weise irgendwelche Kontakte zu Drogen gehabt. In der Vergangenheit mag sie eventuell bei Schullandaufenthalten mal in der Runde an einem Joint gezogen haben.

Frau Schwarz vom Kinderschutzbund:
Es könne absolut festgestellt werden, dass sich ein gutes und positives Vater-Kind-Verhältnis entwickelt habe, was weiterhin zu fördern sei. Es bestünden tatsächlich Befürchtungen, dass Frau ******* ohne einen Druck von außen das Umgangsrecht nicht fördern werde." ...

Die Ausführungen Herr Jansens lesen sich wie ein feuchter Händedruck für den man sich nichts kaufen kann:

..."Ich kenne Frau ******* schon lange aus ihrer Jugend. Nicht abzustreiten ist, dass die Vergangenheit von Frau ******* nur als bewegt bezeichnet werden kann. Dies war auch der Anlass, warum ich teilweise unangemeldete Hausbesuche bei ihr getätigt habe, einfach um zu sehen, wie es dem Kind geht. Die Wohnung war immer aufgeräumt, Frau ******* war bemüht, das Kind zu fördern.

Anmerkung: Wann Herr Jansen die Wohnung zum letzten Mal aufgeräumt vorgefunden hat, war seinen Ausführungen nicht zu entnehmen.

. Bezüglich der Vergangenheit von Frau ******* gibt es eine Jugendhilfeakte.
Ich wurde dann von Herrn ******* zur Vermittlung bezüglich des Umgangsrechtes angesprochen. Ich habe dann mit beiden Parteien Gespräche geführt, die sehr zäh verliefen. Frau ******* fand auch immer wieder Ausflüchte, um die Gespräche und das Umgangsrecht zu unterlaufen. Herr ******* war dagegen sehr hartnäckig und ich merkte schon sehr bald, dass ihm tatsächlich etwas an dem Kind liegt.
Auch unter Berücksichtigung der gesamten Umstände und der von mir geschilderten Bedenken sehe ich derzeit keine Veranlassung, ein Sachverständigengutachten über die Frage der Erziehungsfähigkeit von Frau ******* einzuholen." ...

Am 14.12.2001 erfolgte schließlich die Entscheidungsverkündung, zur Regelung der elterlichen Sorge. Wie erwartet wird mein Antrag abgelehnt. Als Begründung wurde unter anderem genannt:

..."Die Frage des Entzuges der elterlichen Sorge beurteilt sich nach den Voraussetzungen des 1666 Abs.1 BGB. Danach hat das Familiengericht, so weit das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes durch missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, durch Vernachlässigung des Kindes, durch unverschuldetes Versagen der Eltern oder durch das Verhalten eines Dritten gefährdet wird, die Gefahr abzuwenden, indem es die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen trifft, was im Einzelfall auch die Entziehung der elterlichen Sorge sein kann.
Umstände, die einen staatlichen Eingriff in diesem Sinne rechtfertigen könnten, vermochte das Gericht auch nach Durchführung der Beweisaufnahme nicht festzustellen." ...

..."Der Vorwurf des Antragstellers, die Erziehungsunfähigkeit der Antragsgegnerin zeige sich schon darin, dass sie das Umgangsrecht zu seinem Kind kontinuierlich unterlaufe, war durch die Entwicklung zum Zeitpunkt der letzten mündlichen Anhörung obsolet. Die Beteiligten haben am 09.11.2001 eine Seitens des Gerichts genehmigte konkrete Umgangsvereinbarung getroffen. Für den Fall, dass die Antragsgegnerin zukünftig vorwerfbar diese Umgangsregelung vereiteln wird, wäre in einem neuen Verfahren ihre Erziehungseignung aufs Neue zu überprüfen." ...

..."Die unstreitige Tatsache, dass die Antragsgegnerin in der Vergangenheit der Prostitution nachgegangen ist, rechtfertigte für sich alleine betrachtet ebenfalls keine staatliche Reglementierung. Selbst einer aktiven Prostituierten kann ein generelles Erziehungsrecht und eine generelle Erziehungsfähigkeit nicht allein aufgrund der Ausübung ihres Berufes abgesprochen werden." ...

Die immer wiederkehrende Verweigerung des Umgangs in den letzten drei Jahren interessierte das Gericht nicht. Die "dicke Akte" des Jugendamts wurde zwar erwähnt. Sie blieb jedoch verschlossen. Selbst die gezielte Beeinflussung Leannas in der Jane ihr gesagt hatte, dass ihr Papa böse sei, interessierte nicht.

Als dieser Beschluss in schriftlicher Form am 11.01.2002 bei Frau Kalinka eintraf, hatte der Umgang gerade zweimal stattgefunden. Der dritte Termin wurde von Jane bereits seit einer Woche ohne ausreichende Begründung oder Nennung eines Ersatztermins verweigert. Noch am gleichen Tag legten wir dagegen Beschwerde ein. Da meine Umschulung noch nicht begonnen hatte und ich vorübergehend arbeitslos war wurde mir für einen Teil meiner Kosten erstmals Prozesskostenhilfe gewährt. Stattdessen sollte ich die Kosten des gegnerischen Anwalts Herrn Lustig übernehmen. Für Jane blieb die Sache wie immer kostenlos.

Ungewöhnliche Kontakte, 4. Teil

Meine Kurzinfo über den Ausgang der Verhandlung am 09.11. hatte Herr Koy kurz und knapp beantwortet.

..."Ich Danke Ihnen für die Information! "...

Meine Antwort:

..." Ich will ja auf keinen Fall NERVEN,
aber wenn Sie Interesse an Kopien der Originalklageschriften beider Parteien haben, lasse ich Ihnen diese unzensiert und unkommentiert zukommen.
Zurzeit liegen mir die Dateien im sff-Format vor. Dieses Format wird von Fritz! Fax erzeugt, und kann meines Wissens nach auch nur von diesem gelesen werden.
Ich kann die Dateien an eine E-Mail anhängen. Wenn Sie ein anderes Faxprogramm verwenden, kann ich sie Ihnen auch einfach faxen.
Das Gleiche gilt auch für das Urteil, ich gehe davon aus, dass es mir in den nächsten Tagen schriftlich vorliegen wird.
Wenn ich keine Antwort von Ihnen erhalte, werde ich nichts dergleichen tun." ...

Herr Koy:

..."Ich wäre erfreut diese Unterlagen zu bekommen! Wenn möglich alle Daten, so weit Sie es für OK halten."...

Da Herr Koy weder über ein Faxgerät, noch ein passendes Programm verfügte, gab es einige Schwierigkeiten bei der Übermittlung:

..."Ich wäre sehr begierig auf diese Daten, jetzt weiß ich nur nicht wie ich sie bekommen kann?? Ist es möglich die Daten zu scannen und dann als JPG-Bilder zu senden??" ...

Nach einigen Versuchen war ein geeignetes Format gefunden:

..."Es funktionieren beide Daten aber das GIF-Format ist kleiner ich würde sagen das GIF ist das Beste. Sie können alle weitere Daten in GI- Formt senden. Auch können Sie wieder Kontakt halten zu mir aber Bitte nur wenn Ihre Ex sich hier nicht befindet"...

Selbstverständlich erfüllte ich Herrn Koy den Wunsch und ihm das Verhandlungsprotokoll und auch den Beschluss gesendet. Doch selbst als er die Akten schwarz auf weiß vor sich hatte glaubte er die Geschichte mit Janes Vergangenheit nicht. Das wären für ihn alles keine Beweise. Darüber hinaus fand wie bereits im September ein Dialog statt. Irgendwann fragte ich ihn einmal was er denn an meiner Stelle tun würde.

Herr Koy:

..."Einiges! Vaterschaftstest, Einstellung der Bezahlungen usw. (keine illegalen Taten). Es gibt viele Sachen. Aber Sie und ich sind nicht vergleichbar weil ich wirklich nur diese beiden Sachen machen würde (Vaterschaftstest & Einstellung der Zahlungen) den Rest macht die Zeit und wenn es nötig ist warte ich bis mein Kind 14 ist dann mache ich mich bekannt usw. das wird viel Erklärungsarbeit dann für die Mutter meines Kindes." ...

Meine Antwort:

..."Mit Zahlungsboykott stelle ich mich mit der KM (Kindesmutter) auf eine Stufe; Stichwort Umgangsboykott. Außerdem träfe ich damit auch meine Tochter, also fällt aus wegen Issnich. Warten bis meine Tochter 14 und irreparabel kaputt ist, dann aus den Nichts erscheinen, den lieben Papa raushängen lassen und Jugendamt und Gericht auf Schadensersatz verklagen, Issnich. Illegale Taten..., vieles was heute legal ist, wäre vor 1998 noch undenkbar gewesen. Die Rechtslage befindet sich im Umbruch, ich bin meinem Gewissen und meiner Tochter verantwortlich." ...

Gerichtlich geregelter Umgang...

Nach der Verhandlung am 09.11.2001 konnte ich Leanna mit zu mir nehmen. Ich brachte sie auch wie vereinbart sonntags wieder zurück. Zwei Wochen später griff die erste Ausnahmeregelung. Ich durfte Leanna am 23.11. abholen und eine ganze Woche bis zum 1.12. bei mir behalten. Dafür sollte ich sie den ganzen Dezember nicht sehen, auch nicht an Weihnachten. Erst wieder am 04.01.2002 und dann wieder für eine ganze Woche. Das war der Deal.

In dieser Novemberwoche konnte ich mich zum ersten Mal so richtig intensiv und ungestört mit meiner Tochter beschäftigen. Ich hatte zuvor meine Wohnung etwas verändert. Ein kleines Zimmer das ich bisher als Arbeitszimmer genutzt hatte, sollte von nun an als Kinderzimmer dienen. Auch einige neue Möbel hatte ich eigens dafür angeschafft. Schließlich soll sich Leanna bei ihrem Papa wohl fühlen. Auch dann, wenn dies nur wenige Male im Monat sein sollte. Ich legte größten Wert darauf, möglichst viel mit ihr zu unternehmen. Bei mir sollte sie nicht einfach nur den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen. Auch die Kinder meiner Schwester kamen jetzt täglich zu Besuch. Man muss sich erst mal daran gewöhnen plötzlich soviel Leben in der Bude zu haben, ich könnte mich daran gewöhnen. Am 01.12. brachte ich sie wie vereinbart zurück. Es sollte für viele Monate das letzte Mal gewesen sein, dass ich Leanna sehen konnte...

Am 05.01.2002 wollte ich mit meiner Tochter Weihnachten nachfeiern. Obwohl der Umgang in der Verhandlung am 09.11.2001 eindeutig geregelt wurde, verweigerte ihn Jane erneut. Als Begründung wurde genannt, dass Leanna krank und somit nicht reisefähig sei. Ich bestand dennoch darauf und argumentierte, dass auch ein krankes Kind seinen Vater brauche. Danach war plötzlich auch Jane krank und somit nicht in der Lage mit Leanna heimzufahren. Dann erfuhr ich von dritter Seite, dass sich Mutter und Kind zu Hause aufhielten, also das gleiche Spiel wie im September des Vorjahres. Ein Telefonat zwischen Frau Kalinka und Herrn Lustig wegen eines Ersatztermins verlief ergebnislos. Auch ein Schreiben mit einem Terminvorschlag wurde nicht beantwortet. Frau Kalinka informierte daraufhin Herrn Jansen, doch außer einem Anruf bei mir, wobei ich ihm die erneute Umgangsverweigerung bestätigte, erfolgte keine Reaktion.

Dieses Buch endet hier, die Geschichte geht jedoch weiter

Nachdem ich über 6 Monate trotz gerichtlich geregeltem Umgang nicht ein einziges Mal meine Tochter sehen konnte, stellte ich im Juni 2002 meine Unterhaltszahlungen ein.

Danach war das Geschrei groß.

Trotzdem dauerte es weitere 7 Monate bis der Umgang neu geregelt und erst nach insgesamt über 13 Monaten fortgesetzt wurde

Zum Jahreswechsel 2001/02 begann ich diese Geschichte niederzuschreiben. Nachdem sie im Sommer 2003 einen Umfang von ca. 100 DIN-A4 Seiten überschritt, entschied ich mich für eine Teilung. Wie es weiterging erfahren Sie im zweiten Teil dieser Buchserie. Sie trägt den Titel:

"... wenn ein Staat zum (Mit)Täter wird...".

Lesen Sie dort wie sich Jugendämter und Gerichte um ihre Verantwortung drücken. Wie es durch die Unfähigkeit und Untätigkeit von Amtspersonen in Deutschland auch am Beginn des 21. Jahrhunderts zu Menschenrechtsverletzungen und Kindesmisshandlungen kommt.

Schlusswort

Es gab mehrere schriftliche Vereinbarungen. Zuerst mehr oder weniger freiwillige, dann mit dem Segen des Gerichts. Allesamt wurden sie von Jane gebrochen.
So viele Personen die zum Teil selbst an deren Zustandekommen mitgewirkt haben oder zumindest darüber Bescheid wissen.
So viele Personen die ganz genau wissen was gelaufen ist bzw. immer noch läuft.
So viele Personen die zum Teil auch bereit wären dies vor Gericht zu bestätigen. Und diejenigen die etwas ändern könnten schauen weg.
Einzelschicksal oder Normalfall in Deutschland?
Spätestens seit ich dem Väteraufbruch beigetreten bin weiß ich, dass es sich hierbei leider nicht um einen Einzelfall handelt.

Mehrere bestehende Gerichtsbeschlüsse wurden bewusst unterlaufen und die Richter schauten weg. Da drängt sich einem die Frage auf was ein Gerichtsbeschluss in unserem Land überhaupt wert ist. Was kann sich jemand in Deutschland alles erlauben bevor ein Gericht wirkungsvoll eingreift? Was muss noch alles passieren bevor etwas passiert? Muss ein Kind erst im Brunnen ertrinken bevor ein Richter sich bewegt? Ist es so viel einfacher hinterher einen Schuldigen zu verurteilen, als zu reagieren bevor es zu spät ist?

Die deutsche Rechtsprechung geht scheinbar auch im Jahr 2002 noch davon aus, dass uneheliche Kinder ausschließlich die Folge von verantwortungslosen wild um sich spritzenden Männern einerseits und armen unschuldigen Frauen, die erst nach ihrer ersten Geburt wissen wo die Kinder herkommen, andererseits sind.

Ich will nicht bestreiten, dass die o. g. Spezies nicht auch heute noch gelegentlich anzutreffen wäre. Dabei dürfte es sich jedoch um eine aussterbende Gattung handeln. Was aber ist mit all jenen Kindern, die von berechnenden Müttern in die Welt gesetzt werden um so ihre Vorstellungen von einem Leben ohne Arbeit zu realisieren?
Klar die Kinder werden versorgt, sie kriegen zu Essen, werden gewaschen und haben Kleider. Sie werden ja auch noch gebraucht. Wenn solch eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm zum Sozialamt rennt und sagt: "Meine Wohnung ist kalt" , dann bekommt sie Kohle. Sie muss sich vielleicht ein paar unangenehme Fragen über den Verbleib der vorhergehenden Kohle gefallen lassen, aber trotzdem bekommt sie Kohle allein schon wegen des Kindes.
Im Moment der kalten Wohnung ist dies ganz sicher die einzig richtige Entscheidung. Was wird aber aus diesen Kindern wenn sie erwachsen werden. Wenn ein Kind am Rand unserer Gesellschaft geboren wird und auch dort aufwachsen muss, wird es als Erwachsener schwer den Weg in die Mitte finden. Warum darf aber ein Kind nicht gleich in der Mitte aufwachsen, wenn die Möglichkeit dazu gegeben ist?
Wenn ein Elternteil den größten Teil seines Lebens berufstätig war und dies auch weiterhin zu sein beabsichtigt, während sich der andere auf die Fahne schreibt, "Wozu arbeiten, der Staat hat doch genug Geld!" , was dann?

Welche Werte werden hierdurch langfristig dem Kind vermittelt? Welch ein Schaden wird hier dem Kind langfristig zugefügt? Welchen Eindruck müssen solche Kinder gewinnen, wenn sie immer wieder erleben wie mit unrechtem Verhalten Vorteile gewonnen werden? Müssen solche Kinder nicht zwangsläufig zu der Meinung kommen, man könne allgemein aus unrechtmäßigem verantwortungslosem Verhalten Vorteile ziehen? Handeln also nicht gerade die VERANTWORTUNGSLOS GEGENÜBER DEM KIND, die nichts gegen das Unrecht unternehmen?

Was ist, wenn ein Kind in dem Glauben erzogen wird, dass sein Papa böse ist. Wer sollte das beurteilen oder die Maßstäbe dazu festlegen, hört man hin und wieder. Warum wird hierzulande in solchen Fällen nicht einmal der Versuch unternommen, eine verantwortungsvolle Regelung zu finden. In den USA und Kanada funktioniert dies doch auch.

Man hat mich in den letzten Jahren oft gefragt, ob ich durch die ganze Geschichte frauenfeindlich geworden wäre. Dies kann ich absolut verneinen. Ist ein Mensch, der nicht nach mehr und mehr Rechten für Frauen schreit, der negative Erlebnisse mit einer Frau und der Wahrheit entsprechende Fakten darstellt, frauenfeindlich? Ist es nicht sogar unsere Pflicht, mit bestimmten Fakten die Öffentlichkeit zu konfrontieren? Nur wenn wir auch bereit sind die Opfer und die Täter(innen) zu benennen, wird sich vielleicht in Zukunft etwas ändern!

Ich denke, weder Gut noch Böse haben ein Geschlecht. Ich glaube auch nicht, dass Männer die besseren Mütter wären oder, dass Kinder grundsätzlich bei ihren Vätern besser aufgehoben wären. Ich bin vielmehr der Meinung, dass eine geschlechtsneutrale Prüfung stattfinden sollte, wo ein Kind die besseren Entwicklungschancen hat. Dies müsste insbesondere dann geschehen, wenn beide Elternteile die Kinder behalten wollen. Dabei dürfte es keine Rolle spielen ob die Eltern miteinander verheiratet waren. Auch wenn sich im Laufe der Zeit die Situation verändern sollte, müsste wirkungsvoll reagiert werden können. Ein jahrelanges Verschleppen - womöglich bis die Kinder erwachsen sind - hilft weder den Kindern noch der Allgemeinheit.

Bedürfnisse des Kindes, Leistungsfähigkeit bezüglich der Betreuungszeit, Arbeitszeit, Betreuungsfähigkeit beider Eltern, etc. müssten letztendlich zu einer individuellen und jederzeit variierbaren Betreuungsregelung für das "im Mittelpunkt zu stehende" Kind führen.

Für die Beurteilung der Betreuungsfähigkeit müssten folgende Punkte besonders geprüft werden:

Auch ein abwesender Mensch kann in der Seele eines Kindes lebendig gehalten werden, sofern der erziehende Teil das überhaupt will. Kinder sind hochgradig suggestibel. Sie dürfen niemals dazu missbraucht werden, durch bewusste oder unterlassene Einflussnahme eines Elternteils, eine Abneigung gegen den anderen aufzubauen. Solche Kinder verlieren einen Elternteil. Kinder haben jedoch ein Recht auf beide Eltern.

Auszug aus dem Buch "Die vaterlose Gesellschaft" von Matthias Matussek (Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Mai 1998) über die Wichtigkeit des Mannes als Vater. Kinder, die ohne Vater aufwachsen, sind:

5   mal mehr gefährdet, Selbstmord zu begehen.
32   mal mehr gefährdet, von zu Hause wegzulaufen.
14   mal mehr gefährdet, Vergewaltigung zu begehen.
9   mal mehr gefährdet, frühzeitig aus der Schule auszusteigen.
10   mal mehr gefährdet, Drogen zu nehmen.
9   mal mehr gefährdet, in einer Erziehungsanstalt zu landen.
20   mal mehr gefährdet, sich im Gefängnis wiederzufinden.
33   mal mehr gefährdet, ernstlich körperlich misshandelt zu werden.
73   mal mehr gefährdet, Opfer tödlichen Missbrauchs zu sein.

Dieses Buch entstand über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Einige Wochen nachdem ich mit dem Schreiben begonnen hatte veröffentlichte ich die ersten Entwürfe im Internet. Auch die einzelnen Zwischenschritte folgten nach und nach. Oftmals führte meine Vorgehensweise zu Diskussionen und Kritik. Einige Anregungen griff ich auf und ließ sie in dieses Buch einfließen. Einmal fragte mich jemand, ob ich denn wirklich sicher wäre, dass alle Anschuldigungen die Jane bezüglich ihrer Kindheit ihren Verwandten gegenüber geäußert hatte erfunden wären. Auch ich habe mir diese Frage oft gestellt. Ich kann darauf nur eine einzige klare Antwort geben: "Ich war nicht dabei" . Vereinzelte mir gegenüber gemachte Äußerungen könnte man unter kritischer Betrachtung sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung interpretieren. Auch die Tatsache, dass damals alle Verwandten freigesprochen wurden, könnte man nach der mittlerweile selbst erlebten Praxis mit der deutschen Rechtsprechung differenzierter betrachten. Von den damals beschuldigten Verwandten kenne ich zwei persönlich, bei keinem könnte ich mir jedoch eine Gewalttat vorstellen. Weiter will ich dazu nur sagen, dass diese Frage für mich heute keine Rolle mehr spielen kann. Mir geht es einzig und allein um das Wohl und die Zukunft meiner Tochter Leanna.

Fakt ist, dass Leanna einen Vater hat der an ihrem Wohlergehen und ihrer Zukunft interessiert ist und der dafür auch Verantwortung übernehmen will. Fakt ist, dass Leanna eine Mutter hat die ihr alleiniges Sorgerecht missbraucht, um sich ihren selbst gewählten Lebenswandel zu finanzieren. Die dem Kind eines seiner ureigensten Rechte, das Recht auf seinen Vater verwehrt.

Ich habe diese Geschichte niedergeschrieben, weil ich an dieser Situation etwas ändern möchte. Ich weiß, dass ich mit diesem Problem und mit meiner Meinung nicht alleine stehe. Obwohl viele betroffen sind, gibt es immer noch viel zu wenige, die sich aktiv engagieren, aber es werden mehr. Viele haben auch schon alles versucht und irgendwann resigniert. Manche haben sich deswegen schon umgebracht. Auch dieses Buch wird weder Berge versetzen, noch Wunder vollbringen. Es wird wie viele ähnliche Bücher nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Ich habe es dennoch geschrieben, denn viele Tropfen höhlen den Stein. Irgendwann fällt einmal der Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen bringt. Wenn das geschieht spielt es keine Rolle welcher Tropfen es war, denn dann hat jeder zu gleichen Teilen dazu beigetragen.

In diesem Buch habe ich die von mir gewonnen Erkenntnisse und die mir zur Verfügung gestellten Informationen nach bestem Wissen zusammengetragen. Ich habe dabei viel von mir selbst preisgegeben. Alle Namen der in diesem Buch vorkommenden Personen habe ich geändert, mancher wird sich dennoch wiedererkennen, dies nehme ich in Kauf.
Wenn dieses Buch dazu führt, dass mancher sich über seine Rolle einmal Gedanken macht, sei es in diesem Fall oder einem anderen...
Wenn es dazu führt, dass Eltern die ihre Kinder bereits aufgegeben hatten neuen Mut und neue Hoffnung schöpfen...
Wenn es dazu beiträgt, dass sich die Rechtsprechung in Deutschland mehr an den Realitäten orientiert...
Wenn es dazu beiträgt, dass auch Außenstehende nicht einfach wegschauen...
Wenn sich die Situation auch nur eines einzigen Kindes durch dieses Buch verbessert, dann hat sich die Mühe gelohnt. Unsere Kinder sind unsere Zukunft.

Meine Tochter werde ich auch nach diesem Buch nicht aufgeben. Ich werde weiter darum kämpfen, dass sie in dieser Welt eine Chance hat. Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie Leanna auf das selbe Gleis wie ihre Mutter gezogen wird. Was die Zukunft bringt wird sich zeigen. Im Zweifel bin ich meiner Tochter und meinem Gewissen verantwortlich.

Ich denke, dass dieses Buch etwas bewirkt. Zwar nur in kleinen und kleinsten Schritten aber die sind besser als gar nichts. Die Logdateien meines Webservers betätigen, dass die Geschichte regelmäßig abgerufen wird. Ferner weiß ich, dass die "Gegenseite" mitliest. Auch wenn man dort nicht alles glaubt, wenn dieses Buch aber dazu führt, dass man Jane im Zweifel etwas kritischer auf die Finger schaut kann das nur gut für meine Tochter sein. Dies allein wäre schon die Mühe wert. Gleichgültigkeit wäre das Schlimmste was ich tun könnte.

Interessant sind auch die Reaktionen der Menschen in meinem persönlichen Umfeld. Das Spektrum reicht von verständnislosem Kopfschütteln bis zu hundertprozentiger Zustimmung. Am wenigsten Verständnis zeigen vor Allem die, die aus mehr oder weniger "geordneten Verhältnissen" kommen. Die sind meist der Ansicht, dass einem so etwas gar nicht passieren kann. Und wenn es dennoch geschehen ist, sollte man es lieber unter den Teppich kehren als es öffentlich auszubreiten. Dann gibt es die vielen Väter in ähnlicher Situation, die mich zum Teil geradezu anfeuern weiterzuschreiben. Die größte Bedeutung haben für mich jedoch die Meinungen der Menschen, die selbst als Kinder in einer "nicht heilen Welt" aufgewachsen sind. Heute Erwachsene, die als Kinder bei nur einem Elternteil oder ganz ohne Eltern aufgewachsen sind. Die sich immer gewünscht haben, dass der andere Elternteil wenigstens nach ihnen gefragt hätte. Vor allem die sind es, die mich ermutigen weiterzukämpfen und auch weiterzuschreiben.


Anhang 1



Jaja, die Liebe...

Es war einmal im Frühsommer 1997. Ich war 34 Jahre alt und hatte gerade eine langjährige Beziehung hinter mir. An einem sehr tiefen Punkt angelangt, trat dann ein Wesen in mein Leben. Ich wollte nicht denken, nicht überlegen. Ich habe mich innerhalb kürzester Zeit auf etwas eingelassen, was ich heute als "Das Dümmste, was ich bis jetzt in meinem Leben gemacht habe" ansehe. Ich habe mich auf eine Beziehung mit diesem Wesen eingelassen. Der Altersunterschied war groß, aber die Gefühle waren größer. Jegliche Zweifel, die mir mein Verstand immer wieder ins Gewissen rief, verdrängte ich. Ich habe mich selbst belogen. Das Wesen hat es bestens verstanden, mir das zu geben, was mir damals am meisten fehlte. Es hat es bestens verstanden, mir alle Wünsche von den Lippen abzulesen, und mir immer gerade das gesagt was ich hören wollte. Jegliche Zweifel, die mir mein Verstand immer wieder ins Gewissen rief, verdrängte ich. Mir fiel wohl auf, dass man in dem Alter normalerweise keine eigene Wohnung besitzt. Mir fiel auch auf, dass diese Wohnung vollständig aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde. Aber auf alle Fragen hatte dieses Wesen eine plausible Antwort. Auch hat mir dieses Wesen viele Geschichten aus seinem Leben erzählt. Seltsame Geschichten aus einer mir fremden Welt. Aber ich wollte nicht denken, nicht überlegen, mich einfach nur fallen lassen. Jegliche Zweifel, die mir mein Verstand immer wieder ins Gewissen rief, verdrängte ich. Innerhalb kürzester Zeit ist dieses Wesen zu mir in meine Wohnung gezogen, hat geputzt, mir Essen gekocht, meine Kleider und meine Vorhänge gewaschen und mir jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. Alles schien perfekt. Hier hätte ich auch meine vorhergehende Beziehung vergessen können. Innerhalb kürzester Zeit ließ ich mir sogar zum ersten Mal in meinem Leben einen Verlobungsring überstreifen. Jegliche Zweifel, die mir mein Verstand immer wieder ins Gewissen rief, verdrängte ich, doch sie wurden immer lauter. Mein Einkommen das bisher gerade so für mich, meine Wohnung und ein paar Hobbys gereicht hatte, reichte plötzlich nicht mehr. Alle Bemühungen, dieses Wesen zu bewegen wenigstens ein paar Stunden in der Woche irgendeine Aushilfstätigkeit anzunehmen oder gar eine Lehre zu beginnen verliefen im Sand. Und das, obwohl eine Bekannte diesem Wesen sogar eine Lehrstelle angeboten hatte. Meine Zweifel wurden lauter und lauter. Dann überraschte mich dieses Wesen mit einer Schwangerschaft. Das Wesen hatte noch nie gearbeitet, wollte nicht arbeiten und war plötzlich schwanger. Nicht dass ich daran unschuldig gewesen wäre, aber ich hatte mich auf die Pillchen verlassen, die Frauen so nehmen. Die sollen das ja mit über 99,9 % Sicherheit verhindern, aber man muss sie auch nehmen, nicht nur offen hinlegen. Mittlerweile bekam ich nur noch manchmal Essen gekocht und Kleider gewaschen, geputzt wurde gar nicht mehr. Die Zweifel an diesem Wesen und an den Geschichten, die es erzählte waren nun unüberhörbar. Je tiefer ich bohrte, desto mehr begann das ganze Lügengebäude zu bröckeln. Viele Geschichten waren nicht mehr haltbar. Trotzdem wollte ich dieses Wesen als Mensch nicht aufgeben. Ich habe mir eingeredet, dass, wenn man diesen Menschen gut behandelt und ihm Verständnis entgegenbringt, noch was zu retten wäre.

Mittlerweile war es November geworden, das Lügengebäude zusammengestürzt, meine Telefonrechnungen erreichten astronomische Höhen und meine Wohnung war ein Chaos. Trotzdem hätte ich es nie fertig gebracht, dieses Wesen vor die Tür zu setzen. Als ich irgendwann von der Arbeit nach Hause kam, war das Wesen weg.

Normalerweise hätte ich jetzt sagen können, "was soll's, hat eben nicht sollen sein". Aber, es war ein Kind unterwegs. Obwohl sich in diesen Wochen praktisch alle Geschichten als Lügen herausstellten, musste ich dennoch davon ausgehen, dass da mein Kind unterwegs ist. Über Umwege habe ich den Aufenthaltsort des Wesens erfahren. Das was ich über Aufenthaltsort und Umgebung erfahren habe, war nicht gerade geeignet mein Vertrauen zu stärken. Ich habe abgewartet. Nach zwei bis drei Monaten erschien das Wesen wieder, erzählte von großen Fehlern, und wollte, grad mal so, wieder bei mir einziehen. Man kann mir ja schon bis zu einem gewissen Grad vorwerfen, dass ich einfältig sei, aber so einfältig ganz bestimmt nicht. Es war Frühjahr 1998, das Wesen war sichtlich bemüht mein Vertrauen wieder zu erlangen. Aber ich war vorsichtig. Zweiter Versuch - im Prinzip ja, aber nicht so. Das ging bis Mitte Juli, da kam das Kind zur Welt, mein Kind. Alle Zweifel waren verflogen, und ich war für einen zweiten Versuch bereit. Als ich sie am folgenden Tag mit einem Blumenstrauß im Krankenhaus besuchte, wollte sie von allem nichts mehr wissen. Klar, sie hatte ja jetzt was sie wollte, ein gesundes Kind und einen der dafür bezahlen kann. Nun ging die Bürokratie los, mein Konto hatte sich noch nicht von ihren Telefonexzessen erholt, da begannen schon die monatlichen Zahlungen. Nun stand ich vor der Wahl, massivste Einschränkungen meines Lebensstandards oder die Wohnung aufgeben. Ich habe mich für letzteres entschieden und bin in den ausgebauten Keller meines Elternhauses gezogen. Mein Kind habe ich in unregelmäßigen Abständen gesehen. Ende 1998 versuchte dieses Wesen erneut mein Vertrauen zu erlangen, um die Weihnachtszeit erreichten diese Versuche ihren Höhepunkt. Als ich fast zu einem weiteren Versuch bereit gewesen wäre, war's auch schon wieder vorbei. Alles nur ein Spiel, ein Scheißspiel.

Dafür sollte ich jetzt mein Kind nicht mehr sehen. Nur die Vermittlung, durch das von mir eingeschaltete Jugendamt, erbrachte eine mehr oder weniger freiwillige Vereinbarung. Nun sah ich mein Kind alle zwei Wochen, abwechselnd bei mir oder bei sich zu Hause, und die Mutter war immer dabei. Bis zum Sommer 1999 wäre ich bereit gewesen, diesem Wesen eine weitere Chance zu geben, aber das Wesen zog es vor, voller Stolz eine weitere Person mit ins Spiel zu bringen. Gesehen habe ich ihn nie, aber offensichtlich hat er das Ganze schneller durchschaut als ich 1997. Als diese weitere Person wieder aus dem Rennen war, wollte mich das Wesen wieder einmal heiraten. Erst jetzt war für mich endgültig klar, nie wieder. Nachdem ich das deutlich zum Ausdruck gebracht hatte, wurde mir erneut mein Kind vorenthalten. Alle gütlichen Versuche einer Vermittlung durch Jugendamt, Kinderschutzbund und Diakonisches Werk wurden vereitelt. Im Frühjahr 2000 ging es dann nicht mehr anders, ich musste mein Umgangsrecht vor Gericht einklagen. Wie nicht anders zu erwarten, habe ich diesen Prozess gewonnen, durfte jedoch die Kosten tragen, da ich ja arbeitete und die Gegenseite nicht. Trotzdem bereue ich es nicht, ich habe es für mein Kind getan, und es war mir jeden Pfennig wert. Nun folgte für einige Monate ein geregelter Umgang. Ende 2000 war erneut das Gericht gefordert, erneut musste ich für meine Rechte kämpfen, dieses Mal habe ich eine "teilweise Entziehung der elterlichen Sorge" beantragt. Das Zwischenergebnis nannte sich "betreuter Umgang mit einer vom Gericht bestellten Aufsichtsperson" . Dieser mündete in eine "Elternvereinbarung" mit ähnlichem Inhalt wie die freiwillige Vereinbarung von 1998, aber mit dem Gericht als Schirmherrn. Seitdem ruht das Verfahren.

Frühjahr 2001, nicht mehr lange, und das Kind wird 3 Jahre alt, Kindergartenalter. Dann wäre es einer Mutter zuzumuten, wenigstens ein bisschen zu arbeiten. Ich bin wenig überrascht, als das Wesen erneut versucht, mein Vertrauen zu erlangen. Es folgt eine Liste der Fehler, die sie nicht mehr machen will, gekoppelt an den Wunsch nach einem zweiten Kind von mir. Einfach, logisch und berechenbar. Wenn ich nur die geringste Hoffnung hätte, den kleinsten Funken einer Chance sähe, meinem Kind ein geordnetes Familienleben zu bieten, ich würde sie ergreifen, aber ich sehe keine. Eindeutig feststellen konnte ich, wie schon öfter, eine vorübergehende Verhaltensänderung, diese dauert meist ca. zwei bis drei Monate. Könnte ich wirklich eine Gesinnungsänderung feststellen, hätte mein Kind eine Familie, vielleicht keine perfekte, aber eine, mit der man leben könnte.

Sommer 2001, ein anderer "Dummer" scheint gefunden. Mich hat 1997 niemand gewarnt, und wenn, es hätte nichts genutzt. Jegliche Zweifel, die mir mein Verstand immer wieder ins Gewissen rief, verdrängte ich.

Willkommen im 21. Jahrhundert, Raumschiff ERDE...



Anhang 2



Gästebuch

Kommentar: Tach zusammen. Ich bin erst vor wenigen Tagen diesem Verein beigetreten. Ich bin unehelicher Vater einer dreijährigen Tochter. Wenn ich mir die Geschichten manch anderer hier so ansehe, stehe ich wohl erst am Anfang. Ich hatte mich vor etwas über vier Jahren auf eine Beziehung mit einer Dame eingelassen, die ganz offensichtlich nur ein einziges Ziel verfolgte. Schnellst möglich schwanger zu werden, um nicht arbeiten zu müssen. Sie führte einen Lebenswandel, der mit Lügen und Intrigen beginnt, in dem Stehlen und Betrügen zum Alltag gehören und in dem Drogenszene und Prostitution keine Fremdwörter sind. Gearbeitet hatte sie noch nie. Ich wollte sie da raus holen, ihr eine lebenswerte Zukunft bieten. Zu spät habe ich erkannt, dass sie auch mich nur benutzt. Als sie wusste, dass sie schwanger ist, war sie auch schon wieder verschwunden. Als das Kind geboren wurde, war es natürlich IHR Kind, Vater nur als Geldquelle interessant. Und sie als allein erziehende Mutter, ein Opfer der Gesellschaft. Ihre Rechnung ist aufgegangen, zumindest die materielle Seite. Aber mit einem Vater, der sich trotz allem für seine Tochter interessiert, hatte sie nicht gerechnet. Jahrelange Bemühungen um eine gütliche Umgangsreglung waren trotz Hilfe von Jugendamt, Kinderschutzbund und Diakonischem Werk erfolglos geblieben. Ich musste mein Umgangsrecht vor Gericht erkämpfen. Ich hatte nie die Absicht, ihr das Kind wegzunehmen, ich wollte nur, dass meine Tochter ein normales Verhältnis zu all ihren Verwandten haben kann. Mütterlicherseits war das auch kein Problem, meine Tochter verbrachte einen großen Teil ihrer Zeit bei ihren Großeltern, manchmal mehrere Tage. Hier wusste ich sie auch in guten Händen. Wenn sie nicht bei den Großeltern war, wurde sie von diesen und auch von anderen Verwandten, fast täglich besucht. So sah ich auch keine Gefährdung für meine Tochter. Nun hat die Mutter beschlossen wegzuziehen, über 500 km weit weg, mit Kind selbstverständlich. Ein normaler Umgang mit allen Verwandten, die sich bisher um die Kleine gekümmert haben, ist nun nicht mehr möglich. Außer mir ist niemand bereit, regelmäßig diese Strecke zu fahren. Wenn ich jetzt nichts unternehme, ist die Zukunft meiner Tochter vorprogrammiert. Ich sehe deswegen keine andere Möglichkeit und habe nun das Sorgerecht für mich beantragt. Als unehelicher Vater ein fast aussichtsloses Unterfangen, aber eben nur fast. Der Lebenswandel der Mutter ist aktenkundig, ob das was da drin steht ausreicht, wird das Gericht entscheiden. Ich will und kann nicht ein bis zweimal im Monat ein paar Stunden zusehen, wie sich meine Tochter in die gleiche Richtung entwickelt, und irgendwann auf dem Strich landet. Deswegen werde ich diesen und falls nötig, auch noch weitere Prozesse führen. Aufgeben, würde bedeuten, meine Tochter aufgeben, und das wird nicht passieren. Sollte jemand bereits Erfahrung auf diesem Gebiet gemacht haben oder sonstige Tipps auf Lager haben bin ich für sachdienliche Hinweise, vorzugsweise per E-Mail, dankbar.
Name: Gustav Ernst, Montag, 15. Oktober 2001, 18:46:08

Kommentar: Hallo! Ich muss noch etwas loswerden ich brauche mehr IMPUT um das alles zu verstehen was manche Väter so veranstalten!! Ich bin ja der Meinung der Väter OK, aber hier und auf anderen Seiten wird nie über Mütter geredet?? Wenn das so weiter geht werden alle Kinder dem Vater zugestanden und die Mütter bleiben ohne Rechte?? Wer und vor allem wann soll ein Kind zum Vater?? zur Mutter?? Warum soll es da oder da hin?? Es trennen sich zwei Menschen die vor Jahren Fremde waren und es nach der Trennung theoretisch wieder sind (gesetzlich). OK wenn das Kind sagen dürfte bzw. könnten wo sie hin wollen wäre dies alles kein Gesprächsthema mehr. Aber Kinder sagen wir mal unter 6-10 können das nicht oder?? Wenn jetzt eine Mutter (oder Vater) weg zieht um eben ein neues Leben zu leben (wer verbietet das Ihnen, mir und Kinderlosen Singles) beginnen. OK Kind hin Kind her wo sind die Rechte der Mütter (Väter) ohne dem/die Ex was Neues zu beginnen?? Also hat die Mutter oder der Vater im brav höchstens 5-20 km von dem/die Ex zu bleiben?? Wo bleibt da die Freiheit?? Wenn ich als Mutter oder Vater z.B. in Amerika ein Job finde gut bezahlt mein Kind ist 2 es kann dort im Kindergarten habe Freunde Partner usw. da. Wieso wird mir dann als Vater bzw. Mutter das Kind weggenommen?? Ich gehe hier von einem normalem Verhältnis aus nicht von missbrauchten oder geschlagenen Kindern wo ich natürlich auch dafür bin das das Kind da raus muss wo es misshandelt wird!! Ich verstehe so manche Sachen nicht! 3 Jahre ohne Probleme alles klar das sehen des Kindes wurde erstritten usw. kein Gedanke daran das Kind der Mutter zu entziehen dann kommt ein neuer Freund 500 km weit weg auch dort kann man das Kind sehen so oft man will und sogar noch länger aber nein jetzt will man das Kind mit aller Gewalt haben man macht die Mutter schlecht versucht die Beziehung zu brechen usw.!! Alles etwas komisch und dann kommt noch Kindesentführung dazu! Es tut mir leid auch als Mann kann ich da leider nicht mitkommen ich verstehe das nicht und deswegen bin ich der Meinung das Kinder zu 95 % zu den Müttern gehören die es 9 Monate austragen!! Sorry!! Das ist meine Meinung würde gerne vom Gegenteil überzeugt werden aber bitte mit vernünftigen Argumenten! Danke!!
Name: ******* ******** <********@***.***>, Dienstag, 16. Oktober 2001, 18:02:39

Kommentar: An den Eintrag über mir: An deiner Stelle würde eine Geschlechtsumwandlung gut tun. Als Kampfemanze würdest Du dann auch nicht in so einer Situation, in der wir gerade befinden, kommen. . Auch könntest Du weiterhin so einen Schwachsinn schreiben- irgendwo... oder behalt es für dich
Name: ########## <##########@###. ##>, Dienstag, 16. Oktober 2001, 20:12:08

Kommentar: Betreff den Eintrag ein Stück rauf. Wenn der Mann alles so gut drauf hat, wie Kommentare zu schreiben, dürfte er so schnell nicht in unsere Lage kommen. Vielleicht ist er ja sogar IMPUT, dann besteht überhaupt keine Gefahr.
Name: Gustav Ernst, Mittwoch, 17. Oktober 2001, 00:40:38

Kommentar: an ##########!! Sorry das es auch Menschen mit anderer Meinung gibt! Ich habe auch viele normal E-Mail bekommen zu meinen Einträgen die mich auch etwas verstanden! Aber auch viele mit Kritik und ich werde meine Worte etwas aussuchen und versuche nicht zu pauschalisieren SORRY aber nicht nur eine Meinung zählt! ---------- ---------- Zu Gustav Ernst ich hoffe wirklich das ich da nie hinkommen ich wüsste nicht wie ich reagiere! Aber wenn ich meine Ex als Nutte (ihre Worte: Drogenszene und Prostitution) dann würde ich mal sagen würde ich ein Vaterschaftstest machen 50 % der Kinder sind Kuckuckskinder und was war vor Ihnen oder zu gleich?? Haben sie da Vertrauen!! Vielleicht würde ich das erst mal testen lassen bevor man beantragt und oder zahlt. Und wenn ich höre was Menschen über andere alles wissen komisch das man dann 3 Jahre wartet um die Tochter zu bekommen und das nicht an dem ersten tag an macht?? Da sind leider einige Fragen offen geblieben!! Dann kommt noch dazu sie wollten sie da raus hohlen?? Aus der Sache (Drogenszene und Prostitution) wo verkehren Sie?? Wo besteht da jetzt mehr Gefahr fürs Kind bei der Mutter oder bei Ihnen?? Werde jetzt zwar wieder Schelte bekommen aber sollte man nicht immer nur einseitig denken!! Egal ich werde damit leben können und freue mich wieder auf E-Mail mit vernünftigen Inhalt und einige die ich bekommen habe lassen mich etwas umdenken aber nicht bei allen Männern!! Noch ein Tipp: Rechnen vielleicht ist es ja der Ex?? Mann weiß ja nie bei so einer Vergangenheit die sie schildern!!
Name: ******* ******** <********@***.***>, Freitag, 19. Oktober 2001, 16:52:34

Kommentar: Wirklich schade, dass die interessantesten Gerichtsverhandlungen nicht öffentlich sind. Dabei werden doch nur die Jenigen geschützt, die etwas zu verbergen haben, wirklich schade. Dann soll es Frauen geben, die mit allen Mitteln versuchen ihre Vergangenheit zu verstecken, warum wohl? Sie verbieten sogar Ihren Lebensabschnittsgefährten, den Kontakt zu vorhergehenden Lebensabschnittsgefährten, warum wohl. Wenn die sich das gefallen lassen, kann man ihnen nicht helfen, deren Problem. Aber die Wahrheit kommt ans Licht, so oder so, nur noch wenige Wochen...
Name: Gustav Ernst, Samstag, 20. Oktober 2001, 04:07:11

Kommentar: Zu H. ********. Ich habe nicht einfach so drei Jahre gewartet, sondern meine Tochter befindet sich nunmehr in einer gänzlich anderen Situation, als in der Zeit davor. Es ist prinzipiell richtig, dass das Kind die ganze Zeit bei der Mutter gelebt hat. Aber, im Nachbarort wohnen die Großeltern der Kleinen. Die Kleine hat sich fast täglich bei den Großeltern aufgehalten, oftmals auch über Nacht. Im gleichen Haus wohnen weitere Verwandten, auch hier war die Kleine öfter. Auch in der Nachbarschaft wohnen Verwandte, in der ganzen Straße gibt es viele Kinder, die Freunde und Spielgefährten meiner Tochter. Ich wage zu behaupten, dass sich die Kleine öfter dort aufhielt, als daheim in der Wohnung der Mutter. DAS war ihr zu Hause, HIER hat sie sich wohl gefühlt, und ich wusste sie in guten Händen. Vor einigen Wochen hat die Mutter sie jedoch da herausgerissen und verschleppt, über 500 km weit weg. Ein normaler Umgang mit allen Verwandten, die sich bisher um die Kleine gekümmert haben, ist nun nicht mehr möglich. Wenn ich jetzt nichts unternehme, ist die Zukunft meiner Tochter vorprogrammiert. Was die Mutter angeht, kennen gelernt hatte ich sie auf einer Party. Ein gemeinsamer Bekannter hatte sie mitgebracht, das Mülljö aus dem sie kommt, kenne ich nicht aus eigener Erfahrung. Ich verkehrte dort nie. Sie hat mir selbst davon erzählt, und ich sollte derjenige sein, der sie da herausholt. Ich habe zu spät erkannt, dass sie auch mich nur benutzt. Das Meiste was sie mir erzählt hatte, hat sich mittlerweile als Lüge herausgestellt, aber ihr zeitweiliger Aufenthalt in dem von mir beschriebenen Mülljö ist aktenkundig. Ich werde mich jedoch hüten hier und heute auf Details einzugehen, in zwei Wochen ist die Gerichtsverhandlung um das Sorgerecht für meine Tochter. Was danach kommt, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab. Sollte meine Tochter in ihre Heimat zurückkehren dürfen, wäre das Ziel erreicht, und es gäbe keinen Grund für evtl. Veröffentlichungen.
Name: Gustav Ernst, Mittwoch, 24. Oktober 2001, 22:32:48

Kommentar: zu Gustav Ernst: "Was danach kommt, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab. Sollte meine Tochter in ihre Heimat zurückkehren dürfen, wäre das Ziel erreicht, und es gäbe keinen Grund für evtl. Veröffentlichungen" so was nenne ich schon mal Erpressung!! Wir sehen ja weiter in zwei Wochen was dann so entschieden wird. Sollten Sie gewinnen, dann haben sie gewonnen, sollten sie verlieren, würde ich sagen Pech! Nach dem verlieren würde alles, von ihr gemacht werden können, um es als Belästigung zu sehen u. s. w. und der Leidtragende (wie jetzt wahrscheinlich schon ist) ist nur das Kind. Aber egal ich würde sagen in zwei Wochen geben Sie hier einen Eintrag ob Sie gewonnen oder verloren haben, dann wissen wir alle mehr. Die Sachen, die Sie hier ansprechen, werden keinen Richter beeindrucken weil ein Kind von 3 Jahren sich jeder zeit neu einleben kann. z.B.: Sie und Ihre Ex hätten sich entschieden mit dem Kind nach Australien auszuwandern. Dann gehörte das Kind, Ihrer Meinung nach, Ihnen beiden weg genommen, weil es aus der Umgebung weg kommt. Aber das ist natürlich was anderes :)) aber auch egal, es gibt Gerichtsurteile die da gegen den Vater entschieden haben. Sollte es hier auch so sein, (ich schätze fast) wird sich da nichts ändern, auch eine Veröffentlichung irgendwelcher Akten nicht. Und dann muss man noch vorsichtig sein, ob Sie auch was bewirken, so was kann nach hinten losgehen (z. B.: Verleumdungsklage, Rufschädigung usw.)! Es sollte doch schon alles Hand und Fuß haben. Wenn alles stimmt was Sie schreiben und das alles Beweisbar ist, gut dann sollen Sie gewinnen, aber ich gehe von aus, dass Sie sich übernommen haben und Sie wahrscheinlich nichts in der Hand haben und hier nur heiße Luft kommt. Sollte sich das Gegenteil Beweisen, werde ich der erste sein der sich hier öffentlich entschuldigt!! ! Ich sage da nur eins und das mit Ihren Worten "Warten wir ab, was in zwei Wochen ist"
Name: ******* ******** <********@***.***>, Donnerstag, 25. Oktober 2001, 19:15:10

Kommentar: Zu H. ********. Um Missverständnisse auszuschließen, Erpressungen oder dergleichen sind strafbar. Auch bringen sie einem dem eigentlichen Ziel, in aller Regel nicht näher. Allein schon deswegen, macht die Anwendung dieser Methoden wenig Sinn. Wenn dann ein Richter nur noch die Wahl zwischen einem "von Rachegelüsten getriebenen Vater" einerseits, und einer s. u. beschrieben Mutter hat, dann ist dem Kind bestimmt nicht gedient. Was ich im Eintrag weiter unten zum Ausdruck bringen wollte, ist, dass wenn meine Tochter in zwei Wochen nach Hause zurückkehren kann, für mich keine Notwendigkeit mehr besteht, irgendetwas, in welcher Form auch immer, zu publizieren. Wie Sie aber sicher auch schon festgestellt haben, sind mehrere Bücher auf dem Markt, in denen Einzelfälle detailliert beschrieben werden. Wenn die beschriebenen Fälle mehr oder weniger anonymisiert dargestellt werden, kann man dabei schon ins Detail gehen. Was ich ganz sicher nicht tun würde, wäre eine Veröffentlichung von personenbezogenen Daten. Auch dies würde nichts bewirken, und ist, wie sie richtig bemerkt haben, juristisch problematisch. Bei Allem, was ich in diesem Zusammenhang tue, oder bleiben lasse, das vorrangigste Ziel ist und bleibt das Wohl meiner Tochter. Wie Sie wohl auch schon bemerkt haben, ist die Rechtsprechung in Deutschland, in den letzten Jahren, im Bezug auf uneheliche Kinder in Bewegung geraten. Vor gar nicht all zu langer Zeit, hatte eine uneheliche Mutter quasi noch Narrenfreiheit. Heute ist das nicht mehr so, und der Druck in der Öffentlichkeit wächst weiter. Eine Gleichstellung von ehelichen, und unehelichen Kindern, auch in Bereichen, in denen Mütter im Moment noch im Vorteil sind, ist nur noch eine Frage der Zeit. Wenn sie sich mal einige Urteile, des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, aus der jüngsten Vergangenheit ansehen, wissen Sie was ich meine. Das alles wäre ganz sicher nicht, oder zumindest nicht so schnell geschehen, wenn es nicht immer wieder Idealisten gegeben hätte, die ihre Story veröffentlicht haben. Soweit mir bekannt, kann aber ein Autor seine Quellen, zumindest auf Nachfrage, einem begrenzten Personenkreis offen legen. Wer eine wahre Geschichte erzählt, muss ja auch beweisen können, dass sie wahr ist. Nageln Sie mich aber hierbei bitte nicht fest, ich habe mich mit diesem Thema noch nicht intensiv genug beschäftigt. In zwei Wochen sehen wir weiter...
Name: Gustav Ernst, Freitag, 26. Oktober 2001, 02:25:44

Kommentar: Zu H. *******: (Um Missverständnisse auszuschließen, Erpressungen oder dergleichen sind strafbar. Auch bringen sie einem dem eigentlichen Ziel, in aller Regel nicht näher.) Das ist wirklich ein interessanter Satz von Ihnen! Ich hätte eigentlich gedacht, Ihnen ist alles egal, da Ihnen ja wahrscheinlich Kindsentführung als legitim und legal erscheint! Also Kinder entführen und dann der Mutter vorenthalten, wegen angeblichem Telefonterror (Anzeige: Staatsanwaltschaft Münster (beweisbar nach zu lesen)), sorry das ich lachen muss, aber das kann ich nicht glauben, was Sie da schreiben, ich traue Ihnen danach alles zu!! Sie versuchen Sachen zu machen um die Mutter und deren "Lebensabschnittsgefährten" zu Terrorisieren. Aber das alles hat so keinen sinn, es sind nur Worte von Ihnen und mir (klein Krieg) auf die ich so eigentlich momentan nicht viel Lust habe. Wir warten jetzt mal die Verhandlung ab und sollten Sie verlieren wird alles besser, alles was dann kommt wird Ihnen nur schaden (das wissen Sie sogar) deswegen reagieren Sie auch so. Sollten Sie gewinnen werden Sie das eigentliche Ziel (ihre ex wieder zu bekommen) auch nicht erreichen. MfG
Name: ******* ******** <********@***.***>, Samstag, 27. Oktober 2001, 06:49:42

Kommentar: Hallo H. ********, schön dass Sie Ihren Humor nicht verloren haben, ich denke, Sie werden ihn noch brauchen. Besonders amüsant finde ich Ihre Theorie: "Ex zurück". Zugegeben, ich war stets bemüht, mit der Dame einen normalen, bis hin zu freundschaftlichen Umgang zu pflegen. Sie ist immerhin die Mutter meiner Tochter. Ich habe auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass solange ich einen normalen Umgang mit meiner Tochter haben kann, das Verhältnis zur Mutter ein großzügiges Gestaltungspotential bietet. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass schon seit Jahren, von meiner Seite keinerlei Interesse an Aktionen besteht, die in einen Austausch von Körperflüssigkeiten mit dieser Dame münden könnten. Ansonsten wäre es unklug, wenn ich hier und heute, weniger als zwei Wochen vor der Verhandlung, die Argumente veröffentlichen würde, die der "Kindesentführung" zu Grunde lagen.
Name: Gustav Ernst, Sonntag, 28. Oktober 2001, 00:47:43

Kommentar: Liebe Mitväter, ich habe damit begonnen, ein Buch zu schreiben. Um eine erste Leseprobe zu erhalten, klickt einfach auf den eingeblendeten Link. Ich bin daran interessiert, dass dieses Buch nach seiner Fertigstellung gedruckt wird, und in den Handel kommt. Von einer Verfilmung wäre ich auch nicht abgeneigt. Eine konstruktive Kritik per E-Mail ist jederzeit erwünscht. Ebenso bin ich noch an weiteren Kontaktadressen, bezüglich Druck und Verfilmung interessiert. CU Euer ****
Name: Gustav Ernst, Mittwoch, 2. Januar 2002, 22:26:25


mit-den-augen-eines-vaters.de, letztes Update 15.04.2010, 11:07:34